NRW Gesundheitsministerium

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pfusch in der Pflege 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mut zum  Widerstand 

Der gesellschaftliche Wert des Alters

 

Inhalt dieser Seite

 

  • - Die Generationen 50plus - und das Überleben der Deutschen (Okt./Nov. 2017 G.H.)
  • - Dann aber ist den Alten wirklich nicht mehr zu helfen - Ein Krimi, die Alten, die Wirklichkeit und wir (19.05.2017)
  • - Der Weg der Freiheit (26.03.17)
  • - Ohne die Alten geht diese Gesellschaft zugrunde (Aug. 2016, G.H.)
  • - Gestaltungsmöglichkeiten im Alter (G.H. Juni/Juli 2016)
  • - Generation 50plus - nur die Klugen siegen (G.H. Mai/Juni 2016)
  • - Rettung - die Retter der Welt (G.H. 15.03.2016)
  • - TTIP und die Generation 50plus ( G.H. Pfingsten 2015)
  • - Die Abenteuer der Alten - oder: Die Rückkehr des Lebensmutes
  • - Wert des Alters und Streben nach Glück
  • - Die Abenteuer der Alten - oder: Die Rückkehr des Lebensmutes

 

Die Generationen 50plus - und das Überleben der Deutschen (Okt./Nov. 2017)

Die Menschen sehnen sich nach den großen Themen, nach Werten, denen sie vertrauen können und die ihnen Lebenssinn vermitteln können. Es gibt diese Werte, sie werden seit Menschengedenken gelebt und bei allen Veränderungen und allem Wandel der Gesellschaften bleiben sie stabil und sind über die Jahrtausende hinweg stabil geblieben – auch wenn sie in wirren Zeiten scheinbar vergessen wurden.  Freundschaft ist so ein Wert und Anstand, Mut, Wahrhaftigkeit, Maßhalten, Klugheit, Ehrbarkeit und Fairness. Aber die Politik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von den höheren Anliegen verabschiedet und sich auf Management und Technokratie reduziert. Die Digitalisierung und zuvor die Neoliberalisierung aller Lebenslagen sind solche Technokratien. Doch ohne die Grundlage der vorgenannten Werte, sind sie  bloße Werkzeug zur Zerstörung des menschlichen Zusammenlebens. Was wir brauchen ist eine neue Politik des Gemeinwohls, die weniger zögerlich ist als in den letzten Jahrzehnten und eindeutig Stellung bezieht zu Konzepten von Gerechtigkeit und Bürgersinn und Sozialstaat.


Denn wenn der Sozialstaat stirbt, dann stirbt die Demokratie, dann ist der Rechtsstaat tot!


Diese einfache Wahrheit wird von den aktiven und weisen Männern und Frauen des Bundes der Pflegeversicherten seit 1998 wieder und wieder in die Öffentlichkeit getragen. Anfangs mit geringem Widerhall. Seit 2009 wird das Nachdenken über die positiven Wirkungen des Sozialstaats jedoch spürbar intensiver. Das liegt u.a. auch daran, dass vor allem die Alten, die Generationen 50+, sich deutlicher an die Jahre von 1950 bis 1982 erinnern und allmählich erkennen, dass eine neoliberal ausgerichtete Gesellschaft unmittelbar auf ihren Untergang zusteuert. Die Alten können den gravierenden Unterschied zwischen dem Sozialstaat der 50er, 60er und siebziger Jahre und dem heutigen, neoliberalen Staat aus Erfahrung beurteilen.


Der Sozialstaat hat im Wesentlichen zwei Aufgaben: 1. Den Einzelnen vor Armut und Not zu schützen, 2. durch gerechte Umverteilung die Entstehung solcher Vermögen zu verhindern, die es durch ihre finanzielle Kraft vermögen, die sozialen Maßnahmen des Staates zu untergraben und demokratische Entscheidungen zu beeinflussen. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschah dies vor allem durch den Lastenausgleich und durch Steuersätze auf Einkommen, die auf bis zu 95 Prozent festgelegt waren. Bis in die frühen achtziger Jahre konnten die Bürger weitgehend auf das Funktionieren des Sozialstaats vertrauen.


Diese Erfahrung fehlt den Jüngeren. Deshalb sind die Alten verpflichtet, den Generationen nach ihnen die überlebenswichtigen Funktionen des Sozialstaats zu erklären. Denn ohne das Wissen,  ín einer sozialen Gesellschaft abgesichert und aufgehoben zu sein, wäre z.B. der Aufstieg Deutschland aus den Ruinen nach 1945 nicht möglich gewesen. Somit gilt, dass der Sozialstaat einzig dem Wohle des deutschen Volkes und seinen differenzierten Anliegen dient; der Artikel 20 GG, der die Staatsgrundlagen und das Widerstandsrecht bestimmt, weist in Abs. 4 jedem Deutschen diese Exklusivität ausdrücklich zu. Dieser Staat ist der Staat der Deutschen! „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand“!. Dies bedeutet ferner, dass alle Leistungen des Staates, die sozialen Leistungen eingeschlossen, nur den Deutschen zur Verfügung stehen.


Diese Gesellschaft wird ohne die Einmischung der Alten nicht überlebensfähig sein.


In einer Gesellschaft, in der die Menschen Lebenszeitgewinne gegenüber von vor 150 Jahren bis zu 45 Lebensjahre leben und erleben, wachsen naturgesetzlich - durch eben dieses Älterwerden - die gesamtgesellschaftlichen Gewinne an. Solche Gewinne sind:


  • ·         durchdachte, d.h. reflektierte Lebenserfahrung und biografisches Wissen
  • ·         Faktisches Wissen
  • ·         Expertenwissen in grundsätzlichen Fragen des Lebens
  • ·         Prozedurales und strategisches Wissen
  • ·         Wissen über Lebenskontexte und gesellschaftlichem Wandel
  • ·         Wissen über die Relativität von Werten und Lebenszielen
  • ·         Soziale Kompetenz und Weisheit

Aus all dem ergeben sich unschätzbare Gewinne, die von der Gesellschaft entweder noch gar nicht erkannt - oder aber bewusst negiert werden. Es sind außer der Politik und der Wirtschaft insbesondere die Medien, die die Kompetenzen und Fähigkeiten des Alters außer acht lassen. Anders ist es nicht zu verstehen, dass sie  unwidersprochen damit durchkommen, wenn sie offensichtlich falsche Behauptungen über gesellschaftliche Zusammenhänge verbreiten. Falsche bzw. nicht begründete Behauptungen werden u.a. auch zu den folgenden gesellschaftlich relevanten Themen verbreitet:


  • ·         Über den demografischen Wandel und seine unschätzbaren Gewinne  für die Gesellschaft
  • ·         Über die Ursachen von Kinderlosigkeit
  • ·         Über die verheerenden Wirkungen von Ideologien, insbesondere der satanischen Gender-Ideologie
  • ·         Über die katastrophalen Wirkungen der ungeregelten Unterwanderung der Deutschen Kultur durch widerständige fremde Kulturen
  • ·         Über die Lohnnebenkosten, die immer auch Beiträge für überlebenswichtige Dienstleistungen sind
  • ·         Über die verpflichtende Beteiligung aller  Mitglieder dieser Gesellschaft, vom Kanzler bis zum sechsjährigen Kind, vom Manager bis zum Auszubildenden, vom Professor bis zum Studierenden usw., an den Finanzierungen der  großen Aufgaben eines Gemeinwesens, und zwar nicht nur mit den Löhnen und Gehältern, sondern auch mit Unternehmensgewinnen, Renditen, Aktiengewinnen, Mieteneinnahmen, Pachten usw. Steuervermeidungskünstler und Steuerhinterzieher zeigen durch ihr Verhalten deutlich, dass sie sich an der Finanzierung der großen Aufgaben nicht beteiligen wollen, sie zeigen dadurch Verachtung für das Gemeinwesen, sie verdienen keine Toleranz und sind aus der Gesellschaft auszuschließen bzw. zu verbannen.
  • ·         Über die katastrophalen Wirkungen der Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich.


Die Alten sollten wissen, dass die Reden derer nichts sagend sind, die dem Alter das Tätigsein absprechen. Das ist, als ob man darauf bestehen wolle, nur weil es bewölkt sei, schiene die Sonne nicht. Die Sonne scheint über den Wolken! Das ist, so Cicero vor mehr als zweitausend Jahre, ungefähr so, wie wenn man behaupten wollte, der Steuermann tue bei der Schifffahrt nichts. Denn während die einen auf die Mastbäume klettern, andere in den Gängen umherlaufen und wieder andere das Grundwasser ausschöpfen, sitze er, das Steuer haltend, hinten ruhig auf dem Deck. „Freilich tut er nicht das, was die jungen Leute tun, aber dafür ungleich Wichtigeres und Besseres. Nicht durch Kraft oder körperliche Behändigkeit und Schnelligkeit werden große Leistungen vollbracht, sondern durch besonnenen Rat, das Gewicht der Person, gereiftes Urteil: Eigenschaften, die im Alter nicht verloren gehen, sondern sogar noch zuzuwachsen pflegen.“


“Aber das Gedächtnis nimmt ab“, hält man den Alten heute wie vor zweitausend Jahren entgegen.


„Aber nur“, antwortet Cicero heute wie damals, „wenn man es nicht übt, oder auch, wenn man von Natur etwas langsam im Kopfe ist. Die Geisteskräfte bleiben den Alten, wenn nur Eifer und Fleiß bleibt, und nicht allein bei angesehenen Staatsmännern, sondern auch im ruhigen Leben eines Privatmannes.“


Das Bild, das die Medien derzeit vom Altern und von den Alten zeichnen, ist einseitig und unhaltbar negativ. Trotzdem wird es nahezu ohne Kritik von Jung und Alt übernommen. Wen wundert’s, wenn die Alten nicht fröhlich sind. Es ist damit wie mit der „self-fulfilling- prophecy“: die Alten glauben zu verblöden, und weil sie es glauben, verblöden sie wirklich, obwohl sie nicht wirklich verblödet sind. Es fehlt ihnen das gesunde Selbstbewusstsein, es fehlt ihnen das, was sie gegen die von  Medien und Politik abgesonderten Zuschreibungen immunisiert: Es fehlt ihnen Zivilcourage. Denn es ist nicht wahr, dass man im Alter als erstes die Haare verliert – im Alter verliert man hierzulande als erstes das gesunde Selbstwertgefühl.


Was Cicero bereits vor zweitausendzweihundert Jahren erkannte, bestätigen heute die modernen Hirnforscher: Das Gehirn des Menschen besitzt eine überaus große Plastizität, es giert sozusagen nach neuem Wissen, nach unerforschten Erkenntnissen. Unter anderem durch bildgebende Verfahren (CT, MRT etc.) ist die Hirnforschung ja schon länger von ihrem Dogma abgerückt, dass sich alle Organe des Körpers immer wieder auf zellulärer Ebene regenerieren, nur das menschliche Gehirn sei davon ausgenommen – so wurde es den Schülern noch vor zwei bis drei Jahrzehnten in der Schule gelehrt. Der renommierte Gehirnforscher, Prof. Gerald Hüther, legt in einem Interview dar, welche Bedingungen dieses ausgleichende Wachstum neuer neuronaler Netze – also die Neuroplastizität - begünstigen, auch wenn man nicht in einem Kloster lebt. Tatsächlich scheinen Menschen sich bereits auf diesen Weg gemacht zu haben, denn die neuesten Daten zeigen einen Rückgang der Neuerkrankungen. Gerald Hüther hat die Einzelheiten in seinem neuen Buch zusammengefasst. Literatur: „Raus aus der Demenz-Falle“. Wir empfehlen allen Mitbürgern und Mitbürgerinnen die Lektüre dieses Buches – vor allem aber empfehlen wir sie den heutigen Medienleuten und den Politikern, damit sie den Unsinn und die Fake-News, die sie über die Generationen 50plus verbreiten, beenden. Es gibt keine gesellschaftliche Gruppe, die in einem so hohen Maße gesellschaftlichen Schaden anrichtet als eben Journalisten und Politiker.


Wie einst Odysseus sich an den Mast seines Schiffes fesseln ließ, um dem verführerischen Gesang der Sirenen nicht zu erliegen, so die Alten heute: Sie sollten die Medien und die Politik als das erkennen, was sie wirklich sind: Bloße Oberflächlichkeit! Märchenerzähler. Fake-News-verbreiter. Sie leben davon, dass sie alles auf ein tiefstes Niveau herunterziehen. Die Medien und die Politiker können die Welt nicht erklären. Was sie stattdessen zeigen, ist eine arrogante und selbstverliebte Clique, was sich zeigt, sind nur Verzierungen, die man niederreißen sollte. Was sich zeigt, sind prunkvoll ausgestattete Studios, ist Schminke, Schminke, Schminke - sind gefärbte und frisierte Haare, sind gestylte Figuren, die man unter anderem noch eigens von Mallorca herein fliegt, um die geschminkte Welt geschminkt zu erklären. Heutzutage setzt eine zur Schau getragene Schnoddrigkeit und Ungepflegtheit der geschminkten und geschminkt erklärten Welt die Krone auf. Die nackten Hälse, die man besonders auf den politischen und medialen Bühnen mehr und mehr bewundern kann, erinnern zunehmend an jene Hälse von Geiern, die irgendwo auf der Welt über den Tälern des Todes ihre Kreise ziehen.


Sie schminken die Schminke nicht ab. Sie blenden weiter. Sie moderieren Sendungen länger als dem Zuschauer lieb sein kann. Die Schminke ist ein Symbol dessen, was die Moderatoren und Moderatorinnen, die Nachrichtensprecher und –sprecherinnen wirklich sind: Sie ist ein Symbol für das, was sie  geworden sind: Oberflächlich. Und das wiederum ist ein Symbol für die Qualität unserer elektronischen Nachrichtendienste.


Wir besitzen seit einigen Jahrzehnten ein magisches Werkzeug ... ein Werkzeug aus Licht und Ton. Ein Instrument, dass uns helfen könnte die am Besten informierte Gesellschaft zu sein: Freie, aufgeklärte und kluge Bürgerinnen und Bürger. Stattdessen bringen die Medien Sendungen wie beispielsweise „Nachrichten in Schlagzeilen“. Als ob man komplexes Geschehen in Schlagzeilen sperren könnte! Sie bringen nette Moderatoren und Moderatorinnen, flaches Geplauder, alberne Sprüche und hohles Geschwätz. Sie servieren uns Kriege und Katastrophen wie die Zwischengänge einer Mahlzeit. Sie schnüffeln, sie tratschen, sie verführen.. Sie lächeln uns zu, aber sie können die eigene Verblödung hinter der Schminke und hinter dem Lächeln nicht verbergen. Ein guter Reporter bringt die Fakten, ein großer Reporter versteht ihre Bedeutung, sie aber sind saturiert, verdienen bestens – und verstehen nichts. Sie besitzen den Tiefgang einer Briefmarke.


Die Alten sollten erkennen, dass ihnen von Medienseite und von der derzeitigen Schröder-Merkel-Politik keine Hilfe erwächst. Deshalb sollten sie sich um ihres eigenen Selbstwertes willen einmischen ins gesellschaftliche, mediale und politische Geschehen. Die Aufforderung zur Mitgestaltung ist ein dringlicher Appell. Die Gestaltung eines neuen Weltbildes darf nicht allein jenen überlassen bleiben, die aus kurzfristigen Interessen denken und handeln. Die Kurzdenker unserer Nation sind für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ein Fluch, sie zerstören die solidarische Gemeinschaft. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Sozialverträglichkeit und der Zukunftsverträglichkeit bleiben auf der Strecke. Es könnte eine wesentliche Aufgabe des Alters darin liegen, den Sozialstaat gegen seine Feinde zu schützen. Die Alten sind eine Macht. Sie sind eine Macht, die ihresgleichen sucht. Und es gilt, diese Macht nach außen deutlich zu machen. Denn es gibt viel zu tun. Es gilt beispielsweise, die Zweiklassenmedizin und Zweiklassenpflege rigoros zu bekämpfen. Die klare Einsicht muss zu der Erkenntnis führen: „Ja, wir haben eine Zweiklassenmedizin – und ja, wir müssen das System verändern. Der Fehler ist der, dass die einflussreichsten Menschen in unserem Land, also zum Beispiel die Mehrzahl der Politiker, die Professoren, die die Gutachten schreiben, die Mitglieder des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenhäuser, die Richter, die Beamten, die Einkommensstärksten, die Meinungsmacher in unserer Gesellschaft zum größten Teil privat versichert sind. Und selbst wenn sie gesetzlich versichert sind, haben sie noch Privilegien, die die Probleme der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für sie unerkennbar machen. Deshalb muss eine Reform durchgesetzt werden gegen den Widerstand der privaten Krankenversicherung, gegen den Widerstand vieler Ärzte, gegen den Widerstand der gesamten Beamtenschaft. Dieser Widerstand und diese Reform wird ohne Unterstützung der einflussreichsten Menschen in unserem Land stattfinden, denn die sind im solidarischen System nicht mitversichert,  denn die haben sich längst aus der solidarischen Gemeinschaft ausgeklinkt. Die Schmarotzer dieser Gesellschaft finden wir nicht dort, wohin die Medien gewöhnlich deuten, die Schmarotzer unserer Gesellschaft finden wir in den Konferenzräumen der Medien, in den obersten Etagen der Konzerne, in den Glaspalästen der privaten Banken und Versicherungen, in den Villenvierteln der Städte und Gemeinden.


Die Grundsatzfrage an Politiker und Meinungsmacher muss in diesen Tagen daher lauten:


 „Sind Sie solidarisch in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung versichert?“


Die Frage muss jetzt gestellt werden - und kein Politiker, der nicht solidarisch gesetzlich - und zwar ohne Beitragsbemessungs- und Pflichtversicherungsgrenze -  in der GRV, GKV, AV oder GPV voll versichert ist, darf die öffentliche Bühne als Vertreter des Volkes betreten. Sie verdienen uns nicht – wir verdienen etwas Besseres.


Man muss nicht  nach England reisen oder in die USA, um zu wissen, was auch hierzulande angedacht wird, der Anführer der Jungen Union hat es unlängst verdeutlicht: Englische Verhältnisse. Diskriminierung! Ab 65 keine medizinische Behandlung mehr.


Das sei echte Diskriminierung sagte Heiner Geißler vor einiger Zeit anlässlich einer Rede zum deutschen Anwaltstag: „Diskriminierung aber führt zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Wo Diskriminierung verankert ist in der Rechtsordnung, dort wird es gefährlich für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Denn die beruht allein auf Gerechtigkeit, Fairness und Edelmut. Wo politische Diskriminierung zu schweren Menschenrechtsverletzungen führt, haben wir es mit politischer Verfolgung zu tun – gleich in welchem Land. Neuerdings gehört ja, was diese Frage anbelangt, was der Mensch sein muss, auch das richtige Alter dazu, denn es ist ja ebenfalls eine neue Kategorie. In England kriegen 65jährige keine Beipass-Operation, keine künstlichen Hüftgelenke, werden vom Dialyseapparat abgeschaltet, es sei denn, sie haben genügend privaten „Bimbels“, wie man in der Pfalz sagt, um also die Therapie aus der eigenen Tasche bezahlen zu können.  Wir sind heute in Deutschland genau so weit. Für bestimmte Leute werden die Lebensrisiken privatisiert und die Konsequenzen haben wir ja. Also mein Parteifreund ... der Philipp Missfelder, Vorsitzender der Jungen Union, hat gemeint, Leute die älter sind als 85 Jahre sollten auch keine künstlichen Hüftgelenke mehr bekommen, sie sollten gefälligst Krücken verwenden. Nun kann man einem 23jährigen jungen Mann manches verzeihen, auch ich habe mit 20 manches gesagt, was Blödsinn war. Aber man darf ihm nicht noch auf die Schulter klopfen, und sagen, du hast ein richtiges Problem aufgeworfen. Du hast den Finger in eine klaffende Wunde gelegt. Man kann höchstens sagen, ja, was soll der denn anderes reden, wenn schon leibhaftige Professoren, drei Stück an der Zahl, vor einem halben Jahr erklärt haben, wer älter ist als 75, der sollte keine lebenserhaltenden Medikamente mehr bekommen. Alles unter Kostengesichtspunkten. Also einer der Professoren war sogar Berater der Deutschen Bischofskonferenz, der wurde am anderen Tag suspendiert, a la bon heur, die Katholische Kirche hat hier rasch reagiert, kein Zweifel, aber wir können sehen, wo wir hinkommen mit der Kategorisierung von Menschen. Wenn die Leute Pech hatten oder das Pech haben, dass sie zur falschen Klasse, Rasse, Nation, Religion, zum falschen Geschlecht, zum falschen Alter gehören, dann werden oder wurden sie liquidiert, vergast, gesteinigt, zu Tode gefoltert, in die Luft gesprengt oder sonst wie umgebracht. Die falschen Menschenbilder waren und sind die Ursachen für die schwersten Verbrechen, die die Menschen je begangen haben. Aber auch waren sie Ursache für die schwerwiegendsten politischen Fehlentscheidungen, die die Menschen erleben mussten. Und deswegen ist die Frage nach dem richtigen Menschenbild die entscheidende Frage.“


Das richtige Menschenbild  aber ist der Mensch, so, wie er geht und steht.


Wenn die Alten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer Art die Argumentation nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnen wollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen,. dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen darauf gerichtet sind, die sozialen und Solidarität stiftenden Errungenschaften des späten 19. Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern. „Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmte amerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein als nur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkel aufschreiben. Die Alten  können die Zukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung des Sozialstaats, dann  hinterlassen sie ihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darin besteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“


Die Alten müssen ihr eigenes Leben leben, generativ und als Teil der Gemeinschaft.


Im Talmud heißt es: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich,  wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann? Wenn nicht jetzt – wann sonst“.


Die Alten sollten wissen. dass sie das können.


Die aktiven und weisen Alten des Bundes der Pflegeversicherten (alter-aktiv-bdpv)

Gerd Heming (Vors.)

Münster, Oktober/November 2017

 

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Dann aber ist den Alten wirklich nicht mehr zu helfen - Ein Krimi, die Alten, die Wirklichkeit und wir (19.05.2017)

Als Prolog ein Kommentar zum Sonntagabend-Krimi „Polizeiruf 110 – Nachtdienst“ vom 07. Mai 2017 (Quelle: t-online)

„Der eigentliche Mord verkommt in diesem Szenario zum Beiwerk, denn was sich dem Zuschauer in "Nachtdienst" offenbart, ist ein Massenmord auf Zeit. Ein großer Teil unserer ach so zivilisierten Gesellschaft wird an den Rand geschoben, lebendig unter Ignoranz beerdigt und des Geldes wegen zum Dahinsiechen verurteilt.


Als Kommissar von Meuffels auf Claus Grübner (Ernst Jacobi), einen ehemaligen Angehörigen einer Polizei-Spezialabteilung trifft, keimt Hoffnung auf. Grübner gibt sich nicht geschlagen, er kämpft weiter, er schreibt Briefe an die Heimleitung. Ein Kampf gegen das Vergessenwerden, gegen eine menschenverachtende Bürokratie, die ein Leben auf die Größe einer bestimmten Summe an Euros reduziert.

Seht her: "Ihr habt euch nicht gekümmert!"

Doch Grübner ist ein Don Quijote, die Windmühlen, gegen die er aufbegehrt, reduzieren seinen Zorn auf den kleinsten Nenner. Er will den Mord an Urban auf sich nehmen, um die Pflegerin Marija Abramovic (Marina Galic), die von dem Toten sexuell belästigt wurde, zu schützen. Grübner will seinem Leben noch einmal einen Sinn geben, doch von Meufells verwehrt ihm diesen Akt der Gnade.


Am Ende setzt Grübner seinem Leben nicht nur selbst ein Ende, sondern nimmt 23 Menschen mit in den Tod. Mit seiner Waffe, der letzten "Leidenschaft", die ihm noch geblieben ist, geht er von Zimmer zu Zimmer und erschießt einen Heimbewohner nach dem anderen. Auch Kroll, der pflichtbewusste Pfleger sowie Elisabeth Strauß sind unter den Toten. Grübners perfide Idee: Durch ein "kleineres Unheil" auf ein viel größeres  aufmerksam machen, denn seht her: "Ihr habt euch nicht gekümmert!"


Fazit: Hochemotionales, beklemmendes Kammerspiel, das mit dem FairFilm Award 2017 ausgezeichnet wurde und deren Schauspielriege - allen voran die betagten Bewohner des Seniorenstifts - so überzeugt, dass sie den Zuschauer bis zuletzt in ihren Bann zieht.


"Lassen Sie die Leute immer alleine beim Sterben?", fragt Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) den Altenpfleger Kroll (Philipp Moog), der eigentlich gar nicht zu antworten braucht, denn sein abgekämpftes übermüdetes Gesicht und die Augen, die unter tiefen dunklen Ringen liegen, sprechen für sich.


Der Kriminalhauptkommissar tigert im neuen "Polizeiruf 110" "Nachtdienst" eine ganze Nacht lang durch die Flure eines Altenheims auf der Suche nach Antworten. Kurz zuvor, während einer Feierabendkippe, war ihm die Seniorin Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz) auf den Stufen des Kommissariats begegnet und hatte ihm berichtet, im "Johannishof" einen Mord beobachtet zu haben. Hanns von Meuffels, ein Gentleman der alten Schule, fährt die alte Dame, die an vaskulärer Demenz leidet, zurück ins Seniorenheim und entschließt sich, der Sache nachzugehen.

Keine Todesmitteilung vor Sonnenaufgang

Schnell stellt sich heraus, dass es an diesem Abend tatsächlich einen Toten gegeben hat: Karl Urban (Günter Mattern), Professor der Ökonomie. Doch das scheint niemanden so recht zu kümmern, schon gar nicht das überforderte Pflegepersonal und überhaupt: der Tod gehört, gerade in einem Seniorenheim, zum Alltag. Einen Totenschein gibt es auch noch nicht, und außerdem hat der Verstorbene einen Vermerk der Angehörigen in seiner Akte: keine Todesmitteilung vor Sonnenaufgang.


Von Meuffels findet sich in einem Mikrokosmos der Vergessenen wieder. Wenn er über die kärglichen Gänge streift, schaut er in Zimmer, in denen einsame ruhiggestellte, ans Bett fixierte Menschen liegen, Menschen, die nichts mehr anderes zu sein scheinen, als eine Last - für das Pflegepersonal, für ihre Angehörigen, für die ganze Gesellschaft, für sich selbst.

Vom vollwertigen Menschen zum "Wickelbubi"

"Nachtdienst" scheut sich nicht, den Blick draufzuhalten. Das Altersheim als trostlose Endstation des Lebens. Die Gesichter in den in Neonlicht gehüllten Räumen sind geisterhafte Abziehbilder einer vergangenen Jugend und von Resignation gezeichnet. Einst vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sind die Alten heute nur noch die sogenannten "Wickelbubis" - gelandet auf dem Abstellgleis des Vergessens.“ Soweit der Kommentar.


Sowohl der Kommentar als auch der Krimi berichten von üblen gesellschaftlichen Zuständen, wie sie dem Bund der Pflegeversicherten fast täglich begegnen. Es sind Zustände, die von der Politik gewollt und von den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft – von jung bis alt – akzeptiert werden, einer Gesellschaft, die jegliche menschliche Regung dem Gott Mammon zum Opfer gebracht hat, einer Gesellschaft, die einen  großen Teil ihrer Mitglieder an den Rand geschoben, lebendig unter Ignoranz beerdigt und des Geldes wegen zum Dahinsiechen verurteilt hat.


Die Alten sind, wie gesagt, ein großer Teil dieser „köterrassigen“ Gesellschaft. Vielleicht sind es die Generationen 50plus auf die sich die Zuschreibung „köterrassig“ am Wenigsten anwenden ließe. Kämen wir auf die Idee, die Generationen 50plus aus dieser Gesellschaft auszumerzen, dann bliebe ein qualitativ zutiefst minderwertiger kleiner Teil von etwa dreißig Millionen Mitgliedern übrig. Ohne Orientierung. Ohne innere Stärke!. Ohne die Generationen 50plus würde dieser Teil unseres Volkes richtungslos im geschichtslosen Nirwana der Evolution verschwinden.


Die menschenverachtende Bürokratie, die große Teile unserer Gesellschaft lebendig und unter Ignoranz beerdigt und des Geldes wegen zum Dahinsiechen verurteilt, ist am Gängelwagen der Eliten gekettet. Deswegen haben wir es mit einer Regierung und insbesondere mit Sozial- und Arbeitsministerien zu tun, die lediglich Vasallen dieser Eliten sind, also Attrappen. Von hier gehen die Gesetze aus, die die nachfolgenden Institutionen, bis hin zu den Sozialämter und den Ämtern für Grundsicherung dazu zwingen, menschenverachtende Richtlinien und Vorschriften durchzuführen.


Die Generationen 50plus sollten sich die Wahl ihrer politischen Vertreter sehr genau überlegen.


Die Generationen 50plus sollten es sich folglich genauestens überlegen, welchen Politikern sie bei den anstehenden Wahlen ihre Stimme geben. Geben sie diese Stimme den so genannten etablierten Parteien, die ja die Verantwortung für die misslichen Zustände tragen, dann verhalten sie sich nicht anders als jene berühmten Schafe, die sich ihre Schlächter selbst wählen.


Dann aber ist den Alten wirklich nicht mehr zu helfen!!!


Warum muss ein Rentner, der eine 29 Quadratmeter Ein-Raum-Wohnung bewohnt, um seinen Lebensunterhalt kämpfen?


Warum werden diesem Rentner Teile seiner Grundsicherung gestrichen? Etwa weil er sich zum eigenen gesundheitlichen Nachteil um niedrige Kosten für Energie sowie für Wasser, Heißwasser und Heizkosten bemüht?  Die geringen Kosten ergeben sich einerseits aus der Größe der Wohnung sowie aus einer Überprüfung und Neuregulation der Kostenquellen. M.a.W., die energieverbrauchenden Geräte wurden durch energiesparende Geräte ersetzt. Die erhöhten Kosten für die Anschaffung der Geräte hat unser Rentner allein getragen.


Wie kann es sein, dass ihm das Amt für Grundsicherung einen Teil dieser Sicherung deswegen entziehen will, weil eine schwere Erkrankung, die eine fünfwöchige stationäre ärztliche Behandlung erforderte, die Kosten für den allgemeinen Lebensunterhalt senkte?


Nun ist eine sozialamtliche Überprüfung der jeweiligen Verbräuche, wie sie sich etwa in einer Miet – Nebenkostenabrechnung widerspiegeln, durchaus begrüßenswert.


Allerdings muss eine solche Überprüfung den Grundsatz der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit befolgen. So ist es nicht nachvollziehbar, wenn aus dem Betrag für die Grundsicherung, der lediglich ein Drittel der Altersrente ausmacht, Euro „109,64 wegen Rückrechnung“ in Abzug gebracht werden. Die Grundsicherung unterliegt anderen Bedingungen als die Sozialhilfe.


Wie sieht es mit der Gleichbehandlung aus? Hier wären zum Beispiel als Vergleich die Kosten für die Einrichtung für den Unterhalt des umgewandelten „Finanzamtes Innenstadt“ in eine „Flüchtlingseinrichtung“ hinzuziehen, die derzeit von einer „Wohlfahrtsorganisation“ verwaltet wird.


Ferner wären hier hinzuziehen die viele hundert Millionen Euro betragenden Kosten, weil wir Millionen von Menschen in der Migrationsindustrie - z.B. bei der AWO, bei der Caritas usw. -  dafür entlohnen, dass sie solche Zustände im Eigeninteresse zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze immer weiter verschlimmern und unseren einstigen Wohlstand skrupellos vernichten! Die Wohlfahrtskonzerne sind längst zu schädlichen Parasiten verkommen, sie schaden der Gesellschaft mehr als sie ihr nützen.


Bereits im Jahre 2010 berichtet die FAZ, dass bis dahin mehr als 1 Billion Euro für Migranten mehr ausgegeben worden seien, als diese durch Einzahlung in die Sozial- und Steuersysteme eingebracht hätten. Inzwischen dürfte sich der Betrag auf rund 2 Billionen Euro erhöht haben.


Wie kann es sein, dass wir diesen Wahnsinn aus Gründen der politischen Korrektheit bislang niemals in Frage gestellt haben? Diese gigantische Wohlstandsvernichtung bewirkt nur eines: Fremdenfeindlichkeit und wachsenden Unmut unter jenen, die dafür bezahlen müssen. Unter anderen die armen Rentner!!! Im »Lustigen Migrantenstadl« heißt die Zukunft für Deutsche jetzt: Armut ist für alle da. Es sei denn, wir öffnen die Augen und ziehen endlich die notwendigen Konsequenzen.


Seit 1998 wird mit unserem Staat Raubbau betrieben. Dieser Raub an unserer Bevölkerung wurde nicht nur zugelassen, er war von der Politik, von den Medien und von der "allmächtigen" Hochfinanz, d.h. den Eliten, gewollt und wurde gefördert.


Das Gesundheitssystem ist marode. Sein Niedergang ist täglich in vielen Bereichen zu beobachten. Die Verantwortlichen sehen hilf- und tatenlos zu. Die Krankenhäuser sind nicht mehr Orte der Genesung, sie sind Orte sich ständig ausbreitender, tödlicher Krankheiten. Die Gefahr, in einem Krankenhaus an einer Krankheit zu sterben, wegen der man gar nicht ins Krankenhaus gekommen ist, ist millionenfach größer, als bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen.


Neunzig Prozent unserer Bevölkerung leiden unter der Unfähigkeit der ewigblinden Parlamentarier und unter der groben Verletzung des Amts-Eides, den diese Blinden geleistet haben. Sie dienen nicht dem allgemeinen Wohl unseres Volkes und schützen und mehren es, sie zerstören es. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Gesunden und Kranken, die Menschen mit hohem Pflegebedarf, die Empfänger von Leistungen nach den Hartz-Gesetzen, die Rentnerinnen und Rentner, die Geringverdiener, die prekär Beschäftigten usw., sie alle müssen Einschränkungen hinnehmen, während  für Migranten Billionen verschleudert und den Großkonzernen und den Superreichen immense Steuergeschenke gemacht werden. Inzwischen leben fast sechzehn Millionen Deutsche unterhalb der Armutsgrenze.


Alles Handeln der Parlamente führt geradewegs ins Negative und Sinnlose. So wurden aus Alten- und Pflegeheimen noch immer keine Horte des Lebens und des Lebendigen, keine Lebenshäuser, sondern Häuser des Siechens und Verendens. Dafür, sagen die Ewigblinden, das sind die Politiker  und die Medien unisono, fehle das Geld. Für Migranten aber werden binnen Wochenfrist locker mal mehr als tausend Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Und da wundern sich die Ewigblinden, das sind die Regierenden und die Medien ebenfalls unisono, dass das deutsche Volk nur mehr tiefste Verachtung und Respektlosigkeit für sie übrig hat?!


Unter der Regentschaft von CDU, SPD, Grünen und Gelben sind alle Infrastrukturen, die Eisenbahnen, die Straßen, die Autobahnen, die Brücken, die elektronischen und elektrischen Interaktionsmöglichkeiten, die Luftfahrt usw. verkommen.


Die Blinden aus SPD, Grüne, CDU und Gelben haben die schwere Wirtschaftskrise und die Krise in Europa zu verantworten, sie haben das Geld der deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler (die Reichen zahlen keine Steuern und zahlen nicht in die sozialen Kassen ein) missbraucht und in dunkelste Kanäle gelenkt. Übrigens zahlen auch  die vorgenannten "Volksvertreter" in die gesetzlichen und sozialen Absicherungen keinen Cent ein, m.a.W., sie beteiligen sich nicht an den großen Lasten, die sie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufbürden. Und  sie haben die Frechheit, über die Verteilung der Lasten zu bestimmen.


Eine weitere Todsünde besteht darin, dass das deutsche Parlament dabei ist, das Wesen der Familie, diesen geheiligten Ursprung aller Gesellschaften, zu zerstören. Gehirnwäsche durch Genderismus findet statt. Vierjährigen Kindern wird das Onanieren in Kitas beigebracht. Vierjährigen! -  Werft den Genderismus auf jenen Haufen unserer Geschichte, der zu den Unseligen zählt!!! Erzählt uns, welch satanischer Geist Euch den "Gender-Gedanken" in den Kopf gepflanzt hat. Reißt diese teuflische Idee aus den Analen unserer Gesellschaft, denn er lässt eine grundlegende Erkenntnis außer acht, nämlich "dass die vorempirischen Elemente für die Erfahrung unverzichtbar sind und dass es folglich für die satanische Ideologie des Genderismus keine verwertbare Erkenntnis gibt". Diese unverzichtbaren vorempirischen Elemente aber sind es, die der Gender-Wahn leugnet. Damit jedoch verleugnet er sich selbst und das Gedankengebäude, dass er der Gesellschaft unterjubeln will. Denn "vom bloß Gedachten" gibt es keine Erkenntnis. Wer das Gegenteil annimmt, wie Politiker und Medien es tun, erliegt einer Illusion, sogar einer Fata Morgana: "Er glaubt zu erkennen, wo es  nichts zu erkennen gibt" (Kant, KrV). Mit anderen Worten: Diese Leute wissen nicht, was Sie tun, denn Sie besitzen keine Urteilskraft. Der Mangel an Urteilskraft jedoch ist, so Kant, "Dummheit". Und diesem Mangel ist nicht abzuhelfen.


Wir müssen den Norwegern folgen und der Genderforschung alle finanziellen Mittel entziehen, denn nur so werden wir sie los.


Last but not least wollen Regierung und Banken das Bargeld abschaffen. Sie wollen die totale Kontrolle über die Bürger. Denn wer per Kreditkarten zahlt, ist ein gläserner Kontenidiot, von dem die "Entscheider" dann jederzeit wissen, wie viel Geld er oder sie besitzt und wofür sie oder er ihr virtuelles Geld verwenden. Wenn jemand z.B. abends zur Entspannung gern ein Glas Bier oder ein Gläschen Wein zu sich nimmt, dann wissen die Entscheider das und bei der nächsten Verhandlung mit der Versicherung, wird ihr oder ihm dieser "Luxus" oder gar "Sucht" als gesundheitgefährdendes Verhalten ausgelegt. Es hat zur Folge, dass die Versicherungen ihnen die Mitgliedschaft verweigern. Vor allem die jüngeren Leute wissen nicht, was sie tun. Denn ihr möglicher künftiger Arbeitgeber weiß über sie alles, er weiß mehr über sie als sie über sich wissen, so z.B wissen sie, auf welche Parties sie wie oft gehen oder für welche Vorlieben oder Schwächen sie ihr Geld an den Kassen der Geschäfte von den digitalen Bestände ihrer Konten ausgeben. Selbst Orwell konnte sich das Ausmaß einer solchen allumfassenden Kontrolle nicht vorstellen.


Fazit: Die sogenannten "Volksvertreter"  dienen nicht dem Wohl aller Deutschen, Sie sind dabei, das Wohl aller Deutschen zu Gunsten der Reichen, zu Gunsten der so genannten "Eliten" und zu Gunsten der Migranten zu opfern.


Abschließend einige Forderungen an Sozialämter, Politik und Medien:


Wann hören Sie auf, von Bereicherung - etwa im Falle der Migranten - zu reden, wo doch offensichtlich das Gegenteil der Fall ist?


Berichten Sie endlich die Wahrheit, nämlich z.B. dass uns die Migranten im Schnitt und pro Person und pro Jahr rund 70.000,00 Euro mehr kosten, als sie durch ihre Tätigkeiten jemals zum Staats- und Gemeinwohl beitragen? Hier schließt die Forderung an: studieren Sie bitte die Ergebnisse des Präsidenten des Ifo-Institutes, München, in diesem Zusammenhang sowie die Studien des Niederländers Jan van de Beek und die Ergebnisse vieler entsprechender Institutionen, die sich nicht der "political correctness" unterwerfen.


Geben sie endlich zu,  dass schon mehr als 40 Prozent der Sozialhilfebezieher in Deutschland Ausländer sind und die von diesen verursachten Kosten für die Steuerzahler pro Jahr (!) höher sind als die Kosten der Finanzkrise.


Gestehen Sie dem deutschen Volk endlich, dass  Migranten laut Armutsberichten immer ärmer werden und zugleich von Jahr zu Jahr mehr Milliarden ins Ausland schaffen! • Wissen Sie, wie viele türkische Hartz-IV-Empfänger Schwarzgeldkonten in Liechtenstein haben?


Geben Sie zu und berichten Sie, dass deutsche Sozialgerichte Sozialhilfebetrug bei Migranten inzwischen als »kulturelle Besonderheit« akzeptieren und mit dieser Begründung auf Rückforderung der betrügerisch abkassierten Summen verzichten.


Berichten Sie und geben Sie zu, dass wir seit Jahrzehnten Türken und Mitglieder von Balkan-Großfamilien, die noch nie in Deutschland gewesen sind, kostenlos und ohne einen Cent Zuzahlung in der gesetzlichen deutschen Krankenversicherung mitfinanzieren.


Davon können ethnische Deutsche, deren  Krankenkassenbeiträge ständig erhöht werden, nur träumen!


Berichten Sie den Deutschen, dass die Bundesregierung seit 2003 versprochen hat, diese Benachteiligung ethnischer Deutscher endlich zu beenden, es aber bis heute nicht getan hat.


Berichten Sie, dass der deutsche Staat Inzest unter muslimischen Migranten toleriert und dass für die Folgen des Inzests pro Fall bis zu 380.000,00 Euro aus den Sozialkassen der Deutschen gezahlt werden.


Berichten Sie endlich, dass wir Millionen von Menschen in der Migrationsindustrie - z.B. bei der AWO, bei der Caritas, beim ASB, bei den Johannitern usw. -  dafür entlohnen, dass sie solche Zustände im Eigeninteresse zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze immer weiter verschlimmern und unseren einstigen Wohlstand skrupellos vernichten! Die Wohlfahrtskonzerne sind längst zu schädlichen Parasiten verkommen, sie schaden der Gesellschaft mehr als sie ihr nutzen.


Wandeln Sie stattdessen die unsäglichen Pflegeheime in Orte des Lebens, des Lichts um! Bauen Sie Lebenshäuser, Häuser des Lichts, anstelle von Pflegeheimen


Wie kann es sein, dass wir diesen Wahnsinn aus Gründen der politischen Korrektheit bislang niemals in Frage gestellt haben? Diese gigantische Wohlstandsvernichtung bewirkt nur eines: Fremdenfeindlichkeit und wachsenden Unmut unter jenen, die dafür bezahlen müssen. Im »Lustigen Migrantenstadl« heißt die Zukunft für Deutsche jetzt: Armut ist für alle da. Es sei denn, wir öffnen die Augen und ziehen endlich die notwendigen Konsequenzen.


Wann endlich werfen die Ewigblinden, d.h. die „gewählten Vertreter unseres Volkes“, die Hartz-Gesetze und alle Gesetze, die nach 1998 von den verschiedenen Bundestagen verabschiedet wurden dorthin, wohin sie gehören? Nämlich in den Schredder! Insbesondere alle Gesetze, die von den "Grünen" initiiert wurden fallen darunter.


Bund der Pflegeversicherten e.V. (Alter aktiv BdPV e.V.)

Gerd Heming (Vors.)

Münster, 11. Mai 2017)

 

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Der Weg in die Freiheit (G.H. 16.07.2017)

Der Weg in die Freiheit führt allein über selbstständiges Denken, es führt einzig über den Mut, „sich seines eigenen Denkens ohne Leitung durch andere zu bedienen“. Wer frei sein will, muss sich bewusst machen, dass er den Reichen und den Eliten nicht über den Weg trauen darf, dass er sie mäßigen und in die Schranken weisen muss, denn das Synonym für Eliten und Reiche ist der Inbegriff des absolut Bösen. Abartige Denkweisen in Bezug auf das gemeine Volk durchziehen seit Menschengedenken die Grundhaltung der Eliten und Reichen. Friedrich II, einer der Harmloseren, war der Ansicht, das „das gemeine Volk immer im Schlamm seiner Vorurteile dahin modert“. Heutzutage, etwa bei Jean Claude Juncker, wird das wie folgt formuliert: „Das Volk ist blöde genug, sich von anderen mit offenen Augen betrügen und belügen zu lassen“ oder „Volk - das sind Tiere unterhalb des Menschengeschlechts“ oder „Die Elite ist intelligent, klug, verantwortungsbewusst, gebildet, rational und erkennt das gemeinsame Wohl“ oder „Das Volk ist irrational, infantil, triebhaft, launenhaft, selbstsüchtig, rationalen Argumenten nicht zugänglich und nur auf kurzfristige Eigeninteressen aus.“


Dass durch solche Denkweisen das Volk diskriminiert wird, verbietet das Grundgesetz der Deutschen. Das Fazit solcher Denkarten ist jedoch viel schwerwiegender, denn die sich selbst ernannten „Eliten“ haben keine Skrupel, das Volk auszubeuten und etwa für ihre Zwecke oder für ungerechte Kriege zu missbrauchen. Da aber in der Demokratie jeder gegenüber jedem gleichberechtigt ist, geht das gar nicht. Hier liegt der tiefere Grund dafür, dass Figuren wie Bush, Clinton, Obama, Blair oder Schröder dem Internationalen Gerichtshof zu geführt werden müssen.


Die Reichen und Superreichen haben sich jeder gesellschaftlichen Verantwortung längst entzogen. Sie leben unter uns. Aber sie leben nicht mit uns. Ihr Ziel ist  Herrschaft! - nicht die Gemeinschaft, ihr Ziel ist die Diktatur des Geldes. Sie sind den Verlockungen des Geldes verfallen.  Sie erkennen nicht, dass nicht sie das Geld besitzen, sondern das Geld sie besitzt- dass das Geld ihr gesamtes Denken und Handeln wahnhaft bestimmt. Sie sind süchtig wie  Alkoholiker, die vom Alkohol besessen sind oder mit anderen Worten: Sie sind geistig und psychisch krank.  Denn ihr Wahn hat das Ziel der  Zerstörung  gesellschaftlicher Moral und des Gemeinwohls, ihr Wahn  will die totale Verwirklichung des alles zermalmenden neoliberalen Kapitalismus. „Die neuen Herrscher der Welt“, sagt der Schweizer Soziologe Jean Ziegler, „ - die Beutejäger des globalisierten Finanzkapitals, die Barone der transkontinentalen Konzerne, die Börsenspekulanten - häufen ungeheure Vermögen an. Mit ihrem Tun zerstören sie den Staat, verwüsten die Natur und entscheiden jeden Tag darüber, wer sterben muss und wer überleben darf. Willfährige, effiziente Verbündete stehen ihnen zu Diensten, allen voran die Funktionäre der Welthandelsorganisation, der Weltbank und des Weltwährungsfonds.“  Dieser Geist ist die Urmutter aller Kriege, allen Tötens, allen Grauens. Es ist dieser wahnhafte Geist, den Goethe in seinem „Faust“ treffend sagen lässt: „Ich bin der Geist, der stets verneint, und das mit Recht. Denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Drum besser wär’s. dass nichts entstünde! So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element“. Wenn die Menschheit leben will, wenn die Menschen frei sein und sich selbst und das Gemeinwohl erhalten wollen, dann müssen die Reichen und ihre Propheten mit sofortiger Wirkung weltweit den geschlossenen Abteilungen forensischer Psychiatrien zu geführt werden. Sie sind eine tödliche Gefahr für das Fortbestehen unserer Spezies.


Die Deregulierung der Finanz- und Wirtschaftswelt der vergangenen dreißig Jahre öffnete Steuerhinterziehung, Begünstigung, Betrug, Bestechung, geheimen Absprachen und der Umleitung von öffentlichen Mitteln in private Taschen Tür und Tor. Darüber hinaus generiert die deregulierte Finanzwelt  "Plünderer" – das sind Führungskräfte, die maximalen persönlichen Gewinn aus den Unternehmen ziehen, deren Leitung ihnen anvertraut wurde. Sie zielen auf private Gewinne, meist in Verbindung mit Börsenwerten. Das ist die eigentliche Motivation hinter vielen der Buchhaltungsbetrügereien die große  Firmen, Banken und auch Börsengesellschaften plagen. Allerdings haben die Plünderer mächtige Freunde in der Regierung, die zu ihrer Rettung eilen. So werden dann nicht Staaten und ihre Bevölkerung gerettet, sondern private Versicherungen, Banker und Banken – während im Volk die Verarmung eine zunehmende Rasanz gewinnt.


Zwielichtigkeit ist der zweite Name der Reichen. Doch diese Zwielichtigkeit ist mitunter nur schwer zu erkennen. Am ehesten vielleicht sind sie mit jenen Psychopathen oder Soziopathen zu vergleichen, bei denen das Fehlen von Empathie, das Fehlen von sozialer Verantwortung und Gewissen in der Regel nur von jenen Menschen erkannt wird, die über große Soziale Kompetenz, durchdachte Lebenserfahrung und nicht zuletzt über Weisheit verfügen.. Psychopathen sind auf den ersten Blick charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen und „Freunde“ an sich zu binden. Dabei sind sie nicht selten sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen. Ihre  dissoziale Persönlichkeitsstruktur ist durch ausgeprägte Diskrepanz zwischen Verhalten und geltenden sozialen Normen gekennzeichnet. Man erkennt sie an ihrer Unfähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, an ihrer Unfähigkeit, längerfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten, wobei sie jedoch keine Probleme mit der Aufnahme frischer Beziehungen haben. Schwieriger noch ist es, ihr fehlendes Schuldbewusstsein auszumachen, denn sie spenden oft und reichlich und geben sich ausgesprochen sozial. Allerdings spenden sie nur dort reichlich und jovial, wo sie die Folgen ihrer Spenden kontrollieren und entsprechende Anerkennung, Bewunderung und Dankbarkeit als ihren persönlichen Erfolg verbuchen können. Ihre Kontrollsucht ist übrigens einer der Gründe, warum sie sich der Zahlung von Steuern so gern entziehen. Sie können nicht akzeptieren, Geld zu zahlen, dessen Verwendung sie nicht kontrollieren und bestimmen können. Letztlich aber zeichnet sie eines gemeinsam aus, nämlich die Unfähigkeit, aus Erfahrung zu lernen.


Die Unfähigkeit aus Erfahrung zu lernen, zeigt sich bei all diesen Propheten des Neoliberalismus und Radikalkapitalismus. Friedhelm Hengsbach, Professor  für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik, beschreibt in seiner berühmten Analyse mit der Überschrift „Das Reformspektakel“ die Propheten des Geldes und der alles zermalmenden Ökonomie wie folgt: „Dass die geringe Lernfähigkeit jener Propheten, die im Widerspruch zu empirischen Beobachtungen ihre marktradikal wirtschaftsliberale Bekenntnisse aufrechterhalten, für die wirtschaftliche Krise mitverantwortlich ist, dass die politischen Entscheidungsträger, die ihnen gefolgt sind, nicht zur Beseitigung, sondern zur Verschärfung der Krisen beigetragen haben, dass die Konzernchefs sich in schwerwiegenden Entscheidungen der Fusion und Finanzierung von Unternehmen vergriffen haben, wird in der Öffentllichkeit nicht sonderliche registriert.“ Was, wie daraus zu schließen ist, darüber hinaus auch auf die Unfähigkeit so mancher Medien und Medienmacher verweist.


Diese Unfähigkeit ist immanent und hängt mit jenen minderwertigen Denkstrukturen und Denkweisen zusammen, der all jene anhängen, denen Neues Denken unbekannt ist und in deren Adern noch Reste des Blutes von Neandertalern rinnt. Der Film „Dead Man Working“ ist ein grausiges Beispiel dafür.


Man muss nicht lange raten, welche Gruppen es sind, in deren Adern Reste des Blutes von Neandertalern fließt: Es sind die „meinungsführenden“ Gruppen der Gesellschaft! Das böse Blut in den Adern entdecken wir im übertragenen Sinne innerhalb der Vorstände und Chefetagen der Medien, innerhalb der Vorstände der großen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Institutionen, innerhalb der Vorstände der Wirtschafts- und Industrieverbände, innerhalb der Vorstände der großen Banken, privaten Versicherer, der Hedge-Fonds-Manager und nicht zuletzt  innerhalb nahezu aller Disziplinen der Wissenschaften, allen voran die Rechts- und Staatswissenschaften, die Naturwissenschaften, die Lebenswissenschaften, der Gesundheits- und Pflegewissenschaften und – leider - auch in der Philosophie.


Innerhalb dieser unheiligen und amoralischen Allianz werden Gesetze geschmiedet, die passgenau auf die Ziele und Interessen der Reichen ausgerichtet sind und somit das Gemeinwohl und den Gemeinsinn zerstören.


Den Reichen  treibt der Wille zur Macht. Nicht nur zur Macht über Menschen und Völker – zur Macht über die ganze Welt. Sie schaffen sich in Gemeinschaft mit den ihnen hörigen Politikern und Medien ihre eigenen Gesetze, und mit „gesetzlicher Legitimation“ sind sie nun dabei, sich die Menschheit gefügig zu machen. Mit gesetzlicher Kraft frieren sie deren Freiheitsgrade ein. Und mit Gesetzesmacht zwingen sie die sozial erzeugte Kälte auf Minusgrade herab. Versklavung ist ihr Ziel. Der Rest der Welt als Verfügungsmasse. Deswegen predigen sie Flexibilität, deswegen predigen sie Deregulierung, deswegen predigen sie Privatisierung, deswegen predigen sie die Abschaffung des Bargeldes. „Die reale, positive Macht des Bösen“ formuliert der Philosoph Hans P. Schmidt, „ist nur zu verstehen, wenn das Böse nicht einer Schwäche des Willens beziehungsweise einer unbestimmten Willkür entspringt, sondern im Willen selbst gründet, nämlich im aktiven „Eigenwillen“ des Subjekts, das sich als Einzelner, als Gruppe oder auch zum Beispiel als Nation gegen den „Universalwillen“ durchsetzen kann. Wenn der „Eigenwille“ danach strebt, ‚das, was er nur in der Identität mit dem Universalwillen ist, als Partikularwille zu sein, dann ist er als partikularisierter Wille böse.“


Leben ist Leben inmitten von Leben, das leben will – leben endet frühestens mit dem letzten Atemzuge. Und nur der große, aufrechte und aufrichtige Geist erkennt des Geistes Wert.


Die Politik hat sich in den letzten 30 Jahren weitgehend von ihren höheren Anliegen verabschiedet und sich auf Management und Technokratie reduziert. Was wir brauchen ist eine neue Politik des Gemeinwohls, die weniger zögerlich ist als in den letzten Jahrzehnten und eindeutig Stellung bezieht zu Gerechtigkeit und Bürgersinn. Politik muss, wie Helmut Schmidt einst sagte, „pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken“ sein.


Die Ära die Marktgläubigkeit ist zu überwinden. Den amerikanischen Philosophen Michael Sandel erschüttert es, dass diese Ära, als deren führende Protagonisten Ronald Reagan und Margarete Thatcher zu nennen sind, „von der politischen Bühne verschwanden und durch Nachfolger ersetzt wurden – Bill Clinton, Tony Blair und Gerhard Schröder gehören dazu. Diese mäßigten die Marktgläubigkeit, doch zugleich verfestigten sie sie. Keiner der drei Exponenten der linken Mitte – keiner! – stellte die Grundannahme, die Leitidee des Marktglaubens von Reagan und Thatcher infrage: nämlich dass die Märkte das wichtigste Instrument zur Erreichung des Gemeinwohls seien“.


Heute wissen wir, dass die Leitidee des Marktglaubens Gemeinsinn und Gemeinwohl zerstören. Heute wissen wir, dass die Menschen sich  nach den großen Themen, nach zuverlässigen moralischen Werten sehnen, nach Werten, die unsere Alten einst zu Prinzipien ihrer Lebensführung erkoren haben. Die „Zehn Gebote“ sind darin zu finden und die vier Kardinaltugenden des Aristoteles, nämlich Weisheit, Tapferkeit, Klugheit und Mäßigung.


Wenn die Alten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer Art die Argumentation nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnen wollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen, dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen darauf gerichtet sind, die sozialen und Solidarität stiftenden Errungenschaften des späten 19. Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern. „Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmte amerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein als nur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkel aufschreiben. Die Alten  können die Zukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung des Sozialstaats, dann  hinterlassen sie ihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darin besteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität und Solidarität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“


Es sind insbesondere die Alten, die den Gedanken der Freiheit neu entfachen können, denn sie wissen, dass sie ihr eigenes Leben leben, generativ, solidarisch und als Teil der Gemeinschaft. Nur dem, der das Gemeinwohl fest im Blick hat, gehört die Zukunft.


Bund der Pflegeversicherten e.V.

 

Gerd Heming (Vors.)

Münster in Westfalen im März 2017

 

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Ohne die Alten geht diese Gesellschaft zugrunde (G.H. 25.08.2016)

Die Leute sehnen sich nach den großen Themen, nach den Werten. Aber die Politik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von ihren höheren Anliegen verabschiedet und sich auf Management und Technokratie reduziert. Was wir brauchen ist eine neue Politik des Gemeinwohls, die weniger zögerlich ist als in den letzten Jahrzehnten und eindeutig Stellung bezieht zu Konzepten von Gerechtigkeit und Bürgersinn und Sozialstaat.


Denn wenn der Sozialstaat stirbt, dann stirbt die Demokratie!


Diese einfache Wahrheit wird vom Vorsitzenden des Bundes der Pflegeversicherten, Gerd Heming, seit 2000 wieder und wieder in die Öffentlichkeit getragen. Anfangs mit geringem Widerhall. Seit 2009 wird das Nachdenken über die positiven Wirkungen des Sozialstaats jedoch spürbar intensiver. Das liegt u.a. auch daran, dass vor allem die Alten, die Generationen 50+, sich deutlicher an die Jahre von 1950 bis 1982 erinnern und allmählich erkennen, dass eine neoliberal ausgerichtete Gesellschaft unmittelbar auf ihren Untergang zusteuert. Die Alten können den gravierenden Unterschied zwischen dem Sozialstaat der 50er, 60er und siebziger Jahre und dem heutigen, neoliberalen Staat aus Erfahrung beurteilen.


Der Sozialstaat hatte im Wesentlichen zwei Aufgaben: 1. Den Einzelnen vor Armut und Not zu schützen, 2. durch gerechte Umverteilung die Entstehung solcher Vermögen zu verhindern, die es durch ihre finanzielle Kraft vermochten, die sozialen Maßnahmen des Staates zu untergraben und demokratische Entscheidungen zu beeinflussen In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschah dies vor allem durch den Lastenausgleich und durch Steuersätze auf Einkommen, die auf bis zu 95 Prozent festgelegt waren. Bis in die frühen achtziger Jahren konnten die Bürger weitgehend auf das Funktionieren des Sozialstaats vertrauen.


Diese Erfahrung fehlt den Jüngeren. Deshalb sind die Alten verpflichtet, den Generationen nach ihnen die überlebenswichtigen Funktionen des Sozialstaats zu erklären. Denn ohne das Wissen,  ín einer sozialen Gesellschaft abgesichert und aufgehoben zu sein, wäre z.B. der Aufstieg Deutschland aus den Ruinen nach 1945 nicht möglich gewesen. Somit gilt, dass der Sozialstaat einzig dem Wohle des deutschen Volkes und ihren differenzierten Anliegen dient; der Artikel 20 GG, der die Staatsgrundlagen und das Widerstandsrecht bestimmt, weist in Abs. 4 jedem Deutschen diese Exklusivität ausdrücklich zu.


Diese Gesellschaft wird ohne die Einmischung der Alten nicht überlebensfähig sein.


In einer Gesellschaft, in der die Menschen Lebenszeitgewinne gegenüber von vor 150 Jahren bis zu 45 Lebensjahre leben und erleben, wachsen naturgesetzlich - durch eben dieses Älterwerden - die gesamtgesellschaftlichen Gewinne an. Solche Gewinne sind:


durchdachte, d.h. reflektierte Lebenserfahrung und biografisches Wissen

Faktisches Wissen

Expertenwissen in grundsätzlichen Fragen des Lebens

Prozedurales und strategisches Wissen

Wissen über Lebenskontexte und gesellschaftlichem Wandel

Wissen über die Relativität von Werten und Lebenszielen

Soziale Kompetenz und Weisheit


Aus all dem ergeben sich unschätzbare Gewinne, die von der Gesellschaft entweder noch gar nicht erkannt - oder aber bewusst negiert werden. Es sind außer der Politik und der Wirtschaft insbesondere die Medien, die die Kompetenzen und Fähigkeiten des Alters außer acht lassen. Anders ist es nicht zu verstehen, dass sie  unwidersprochen damit durchkommen, wenn sie offensichtlich falsche Behauptungen über gesellschaftliche Zusammenhänge verbreiten. Falsche bzw. nicht begründete Behauptungen werden u.a. auch zu den folgenden gesellschaftlich relevanten Themen verbreitet:

 

Über den demografischen Wandel und seine unschätzbaren Gewinne  für die Gesellschaft


Über die Ursachen von Kinderlosigkeit


Über die verheerenden Wirkungen von Ideologien, insbesondere der satanischen Gender-Ideologie


Über die Lohnnebenkosten, die immer auch Beiträge für überlebenswichtige Dienstleistungen sind


Über die verpflichtende Beteiligung aller  Mitglieder dieser Gesellschaft, vom Kanzler bis zum sechsjährigen Kind, vom Manager bis zum Auszubildenden, vom Professor bis zum Studierenden usw., an den Finanzierungen der  großen Aufgaben eines Gemeinwesens, und zwar nicht nur mit den Löhnen und Gehältern, sondern auch mit Unternehmensgewinnen, Renditen, Aktiengewinnen, Mieteneinnahmen, Pachten usw. Steuervermeidungskünstler und Steuerhinterzieher zeigen durch ihr Verhalten deutlich, dass sie sich an der Finanzierung der großen Aufgaben nicht beteiligen wollen, sie zeigen dadurch Verachtung für das Gemeinwesen, sie verdienen keine Toleranz und sind aus der Gesellschaft auszuschließen bzw. zu verbannen.


Über die katastrophalen Wirkungen der Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich.


Die Alten sollten wissen, dass die Reden derer nichtssagend sind, die dem Alter das Tätigsein absprechen. Das ist, als ob man darauf bestehen wolle, nur weil es bewölkt sei, schiene die Sonne nicht. Die Sonne scheint über den Wolken! Das ist, so Cicero vor mehr als zweitausend Jahre, ungefähr so, wie wenn man behaupten wollte, der Steuermann tue bei der Schifffahrt nichts. Denn während die einen auf die Mastbäume klettern, andere in den Gängen umherlaufen und wieder andere das Grundwasser ausschöpfen, sitze er, das Steuer haltend, hinten ruhig auf dem Deck. „Freilich tut er nicht das, was die jungen Leute tun, aber dafür ungleich Wichtigeres und Besseres. Nicht durch Kraft oder körperliche Behändigkeit und Schnelligkeit werden große Leistungen vollbracht, sondern durch besonnenen Rat, das Gewicht der Person, gereiftes Urteil: Eigenschaften, die im Alter nicht verloren gehen, sondern sogar noch zuzuwachsen pflegen.“


“Aber das Gedächtnis nimmt ab“, hält man den Alten heute wie vor zweitausend Jahren entgegen.


„Aber nur“, antwortet Cicero heute wie damals, „wenn man es nicht übt, oder auch, wenn man von Natur etwas langsam im Kopfe ist. Die Geisteskräfte bleiben den Alten, wenn nur Eifer und Fleiß bleibt, und nicht allein bei angesehenen Staatsmännern, sondern auch im ruhigen Leben eines Privatmannes.“


Das Bild, das die Medien derzeit vom Altern und von den Alten zeichnen, ist einseitig und unhaltbar negativ. Trotzdem wird es nahezu ohne Kritik von Jung und Alt übernommen. Wen wundert’s, wenn die Alten nicht fröhlich sind. Es ist damit wie mit der „self-fulfilling- prophecy“: die Alten glauben zu verblöden, und weil sie es glauben, verblöden sie wirklich, obwohl sie nicht wirklich verblödet sind. Es fehlt ihnen das gesunde Selbstbewusstsein, es fehlt ihnen das, was sie gegen die von  Medien und Politik abgesonderten Zuschreibungen immunisiert. Es fehlt ihnen Zivilcourage. Denn es ist nicht wahr, dass man im Alter als erstes die Haare verliert – im Alter verliert man hierzulande als erstes das gesunde Selbstwertgefühl.


Wie einst Odysseus sich an den Mast seines Schiffes fesseln ließ, um dem verführerischen Gesang der Sirenen nicht zu erliegen, so die Alten heute: Sie sollten die Medien als das erkennen, was sie wirklich sind: Bloße Oberflächlichkeit, die davon lebt, dass sie alles auf ein tiefstes Niveau herunterzieht. Die Medien können die Welt nicht erklären. Was sie stattdessen zeigen, ist eine arrogante und selbstverliebte Clique, was sich zeigt, sind nur Verzierungen, die man niederreißen sollte. Was sich zeigt, sind prunkvoll ausgestattete Studios, ist Schminke, Schminke, Schminke - sind gefärbte und frisierte Haare, sind gestylte Figuren, die man unter anderem noch eigens von Mallorca herein fliegt, um die geschminkte Welt geschminkt zu erklären. Heutzutage setzt eine zur Schau getragene Schnoddrigkeit und Ungepflegtheit der geschminkten und geschminkt erklärten Welt die Krone auf. Die nackten Hälse, die man besonders auf den politischen und medialen Bühnen mehr und mehr bewundern kann, erinnern zunehmend an jene Hälse von Geiern, die irgendwo auf der Welt über den Tälern des Todes ihre Kreise ziehen.


Sie schminken die Schminke nicht ab. Sie blenden weiter. Sie moderieren Sendungen länger als dem Zuschauer lieb sein kann. Die Schminke ist ein Symbol dessen, was die Moderatoren und Moderatorinnen, die Nachrichtensprecher und –sprecherinnen wirklich sind: Sie ist ein Symbol für das, was sie  geworden sind: Oberflächlich. Und das wiederum ist ein Symbol für die Qualität unserer elektronischen Nachrichtendienste.


Wir besitzen seit einigen Jahrzehnten ein magisches Werkzeug ... ein Werkzeug aus Licht und Ton. Ein Instrument, dass uns helfen könnte die am Besten informierte Gesellschaft zu sein: Freie, aufgeklärte und kluge Bürgerinnen und Bürger. Stattdessen bringen die Medien Sendungen wie beispielsweise „Nachrichten in Schlagzeilen“. Als ob man komplexes Geschehen in Schlagzeilen sperren könnte! Sie bringen nette Moderatoren und Moderatorinnen, flaches Geplauder, alberne Sprüche und hohles Geschwätz. Sie servieren uns Kriege und Katastrophen wie die Zwischengänge einer Mahlzeit. Sie schnüffeln, sie tratschen, sie verführen.. Sie lächeln uns zu, aber sie können die eigene Verblödung hinter der Schminke und hinter dem Lächeln nicht verbergen. Ein guter Reporter bringt die Fakten, ein großer Reporter versteht ihre Bedeutung, sie aber sind saturiert, verdienen bestens – und verstehen nichts. Sie besitzen den Tiefgang einer Briefmarke.


Die Alten sollten erkennen, dass ihnen von Medienseite und von der Politik keine Hilfe erwächst. Deshalb sollten sie sich um ihres eigenen Selbstwertes willen einmischen ins gesellschaftliche, mediale und politische Geschehen. Die Aufforderung zur Mitgestaltung ist ein dringlicher Appell. Die Gestaltung eines neuen Weltbildes darf nicht allein jenen überlassen bleiben, die aus kurzfristigen Interessen denken und handeln. Die Kurzdenker unserer Nation sind für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ein Fluch, sie zerstören die solidarische Gemeinschaft. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Sozialverträglichkeit und der Zukunftsverträglichkeit bleiben auf der Strecke. Es könnte eine wesentliche Aufgabe des Alters darin liegen, den Sozialstaat gegen seine Feinde zu schützen. Die Alten sind eine Macht. Sie sind eine Macht, die ihresgleichen sucht. Und es gilt, diese Macht nach außen deutlich zu machen. Denn es gibt viel zu tun. Es gilt beispielsweise, die Zweiklassenmedizin und Zweiklassenpflege rigoros zu bekämpfen. Die klare Einsicht muss zu der Erkenntnis führen: „Ja, wir haben eine Zweiklassenmedizin – und ja, wir müssen das System verändern. Der Fehler ist der, dass die einflussreichsten Menschen in unserem Land, also zum Beispiel die Mehrzahl der Politiker, die Professoren, die die Gutachten schreiben, die Mitglieder des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenhäuser, die Richter, die Beamten, die Einkommensstärksten, die Meinungsmacher in unserer Gesellschaft zum größten Teil privat versichert sind. Und selbst wenn sie gesetzlich versichert sind, haben sie noch Privilegien, die die Probleme der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für sie unerkennbar machen. Deshalb muss eine Reform durchgesetzt werden gegen den Widerstand der privaten Krankenversicherung, gegen den Widerstand vieler Ärzte, gegen den Widerstand der gesamten Beamtenschaft. Dieser Widerstand und diese Reform wird ohne Unterstützung der einflussreichsten Menschen in unserem Land stattfinden, denn die sind im solidarischen System nicht mitversichert,  denn die haben sich längst aus der solidarischen Gemeinschaft ausgeklinkt. Die Schmarotzer dieser Gesellschaft finden wir nicht dort, wohin die Medien gewöhnlich deuten, die Schmarotzer unserer Gesellschaft finden wir in den Konferenzräumen der Medien, in den obersten Etagen der Konzerne, in den Glaspalästen der privaten Banken und Versicherungen, in den Villenvierteln der Städte und Gemeinden.


Die Grundsatzfrage an Politiker und Meinungsmacher muss in diesen Tagen daher lauten:


 „Sind Sie solidarisch in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung versichert?“


Die Frage muss jetzt gestellt werden, vor der Bundestagswahl 2017 – und kein Politiker, der nicht solidarisch gesetzlich - und zwar ohne Beitragsbemessungs- und Pflichtversicherungsgrenze -  in der GRV, GKV oder GPV voll versichert ist, darf die öffentliche Bühne als Vertreter des Volkes betreten. Sie verdienen uns nicht – wir verdienen etwas Besseres.


Man muss nicht  nach England reisen oder in die USA, um zu wissen, was auch hierzulande angedacht wird, der Anführer der Jungen Union hat es unlängst verdeutlicht: Englische Verhältnisse. Diskriminierung! Ab 70 keine medizinische Behandlung mehr.


Das sei echte Diskriminierung sagte Heiner Geißler vor einiger Zeit anlässlich einer Rede zum deutschen Anwaltstag: „Diskriminierung aber führt zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Wo Diskriminierung verankert ist in der Rechtsordnung, dort wird es gefährlich für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Denn die beruht allein auf Gerechtigkeit, Fairness und Edelmut. Wo politische Diskriminierung zu schweren Menschenrechtsverletzungen führt, haben wir es mit politischer Verfolgung zu tun – gleich in welchem Land. Neuerdings gehört ja, was diese Frage anbelangt, was der Mensch sein muss, auch das richtige Alter dazu, denn es ist ja ebenfalls eine neue Kategorie. In England kriegen 65jährige keine Beipass-Operation, keine künstlichen Hüftgelenke, werden vom Dialyseapparat abgeschaltet, es sei denn, sie haben genügend privaten „Bimbels“, wie man in der Pfalz sagt, um also die Therapie aus der eigenen Tasche bezahlen zu können.  Wir sind heute in Deutschland genau so weit. Für bestimmte Leute werden die Lebensrisiken privatisiert und die Konsequenzen haben wir ja. Also mein Parteifreund ... der Philipp Missfelder, Vorsitzender der Jungen Union, hat gemeint, Leute die älter sind als 85 Jahre sollten auch keine künstlichen Hüftgelenke mehr bekommen, sie sollten gefälligst Krücken verwenden. Nun kann man einem 23jährigen jungen Mann manches verzeihen, auch ich habe mit 20 manches gesagt, was Blödsinn war. Aber man darf ihm nicht noch auf die Schulter klopfen, und sagen, du hast ein richtiges Problem aufgeworfen. Du hast den Finger in eine klaffende Wunde gelegt. Man kann höchstens sagen, ja, was soll der denn anderes reden, wenn schon leibhaftige Professoren, drei Stück an der Zahl, vor einem halben Jahr erklärt haben, wer älter ist als 75, der sollte keine lebenserhaltenden Medikamente mehr bekommen. Alles unter Kostengesichtspunkten. Also einer der Professoren war sogar Berater der Deutschen Bischofskonferenz, der wurde am anderen Tag suspendiert, a la bon heur, die Katholische Kirche hat hier rasch reagiert, kein Zweifel, aber wir können sehen, wo wir hinkommen mit der Kategorisierung von Menschen. Wenn die Leute Pech hatten oder das Pech haben, dass sie zur falschen Klasse, Rasse, Nation, Religion, zum falschen Geschlecht, zum falschen Alter gehören, dann werden oder wurden sie liquidiert, vergast, gesteinigt, zu Tode gefoltert, in die Luft gesprengt oder sonst wie umgebracht. Die falschen Menschenbilder waren und sind die Ursachen für die schwersten Verbrechen, die die Menschen je begangen haben. Aber auch waren sie Ursache für die schwerwiegendsten politischen Fehlentscheidungen, die die Menschen erleben mussten. Und deswegen ist die Frage nach dem richtigen Menschenbild die entscheidende Frage.“


Das richtige Menschenbild  aber ist der Mensch, so, wie er geht und steht.


Wenn die Alten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer Art die Argumentation nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnen wollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen,. dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen darauf gerichtet sind, die sozialen und Solidarität stiftenden Errungenschaften des späten 19. Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern. „Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmte amerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein als nur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkel aufschreiben. Die Alten  können die Zukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung des Sozialstaats, dann  hinterlassen sie ihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darin besteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“


Die Alten müssen ihr eigenes Leben leben, generativ und als Teil der Gemeinschaft.


Im Talmud heißt es: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich,  wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann? Wenn nicht jetzt – wann sonst“.


Die Alten sollten wissen. dass sie das können.


Bund der Pflegeversicherten (alter-aktiv-bdpv)

Gerd Heming (Vors.)

Münster, August 2016

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Gestaltungsmöglichkeiten im Alter (TA im SWR vom 26.06.2016)


Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Andreas Kruse, sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion "TeleAkademie", liebe Mitglieder,


ich bedanke mich für den hervorragenden Beitrag des Herrn Prof. Kruse zum Thema: "Gestaltungsmöglichkeiten im Alter". Der Beitrag enthält eine Vielzahl an hochwertigen Anregungen, wie der einzelne Mensch im Alter seine Selbstbestimmung, seine Selbstachtung, sein Selbstbewusstsein und seine Wirkungsmöglichkeiten erhalten, fortentwickeln und vervollkommnen kann.


Bevor ich jedoch auf ein oder zwei Inhalte des Beitrags näher eingehe, möchte ich einige Gedanken Kants ins Spiel bringen, die den Alten und Jungen helfen können, für künftige Gestaltungsmöglichkeiten eine sicherere Gangart zu finden. Kant beginnt die Einleitung zur "Kritik der reinen Vernunft" wie folgt: "Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teils von  selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser fängt alle an."


Erfahrung jedoch ist abhängig von Bedingungen, die vor der Erfahrung vorhanden sind, und die Kant "vorempirische Elemente" oder "erfahrungsunabhängige Mitbringsel" nennt. Sie bestimmen die Art, wie wir unsere Erfahrungen machen und zu welchen Erkenntnissen wir kommen. Diese vorempirischen Elemente oder erfahrungsunabhängigen Mitbringsel wirken durch unser gesamtes Leben hindurch und wirken auch darauf, wie wir die "Gestaltungsmöglichkeiten im Alter" leben.


Zu den vorempirischen Elementen zähle ich sowohl die Evolution des Kosmos, zu der auch unsere Erde gehört, als auch die Evolution allen Lebendigen auf unserer Erde. Deren vorläufiges Ergebnis, nicht sein Höhepunkt, ist der Mensch. Bevor der Mensch folglich den Schauplatz Erde betritt, ist eine milliardenjahrelange Vorarbeit geleistet worden, die wir wissenschaftlich noch längst nicht begriffen haben.


Zu diesen vorempirischen Elementen zähle ich ferner die zellbiologische Geburt, die letztlich Voraussetzung dafür ist, dass u. a. menschliches Leben entstehen konnte.

 

Zu diesen vorempirischen Elementen gehören darüber hinaus alle Entwicklungen und ebenso - wie mittlerweise allseits bekannt ist -  auch jenes Element, wonach der kleine Mensch, noch während seiner Wachstumszeit im Mutterleib, auf die Umwelt und auf Gewohnheiten der Mutter reagiert. So wurde festgestellt, dass das wachsende Kind im Leib der Mutter auf plötzlichen starken Straßenlärm nervöses Verhalten zeigt und die Frequenz des Herzschlags steigt. Säuglinge von Wirtsfrauen pflegen erst spät nachts zur Ruhe zu kommen, während Säuglinge von Bäckersfrauen früh am morgen rege werden. Bereits im Mutterleib registriert das Gehirn des Kindes Ängste, Unruhen, Verhaltensweisen und positive Regungen der Mutter.


Ebenfalls im Mutterleib findet eine hormonelle Entwicklung statt, die nicht nur geschlechtliche, sondern auch künftige mentale Zustände zur Folge hat.


Einen beeindruckenden Bericht über die physische Geburt des Menschen können wir bei F. Inciarte (Studium Generale, 1980) nachlesen. Er beschreibt, wie der kleine Mensch binnen weniger Stunden in eine katastrophale Kontrastsituation hinaus gestoßen wird.


"Aus der unendlichen Geborgenheit und Wärme des Mutterleibes wird es ausgesetzt in eine total fremdartige und zweifellos furchterregende neue Welt von Kälte, Rauheit, Druck, Lärm, Haltlosigkeit, Helligkeit, Getrennt sein und Verlassenheit. Für kurze Zeit ist der Säugling abgeschnitten, abgetrennt, allein gelassen, beziehungslos. Psychologen und Psychiater entwickelten viele Theorien über das Geburtstrauma. Sie stimmen in de Annahme überein, dass die durch das Ereignis der Geburt aufgewühlten Gefühle des Säuglings in irgendeiner Form im Gehirn aufgezeichnet und aufbewahrt werden...


Wenige Augenblicke nach seiner Geburt begegnet dem Säugling ein Retter, ein anderer Mensch, der ihn hochnimmt, ihn warm einhüllt und der mit dem beruhigenden Akt des "Streichelns" beginnt. Es sind die ersten Informationen darüber, dass das Leben "da draußen" nicht ganz und gar schrecklich ist. Es ist eine Versöhnung, eine Wiederherstellung der Verbundenheit. Es setzt seinen Lebenswillen in Gang. Streicheln und ständig wiederholter körperlicher Kontakt ist für den Säugling überlebenswichtig. Ohne das stirbt er, wenn nicht physisch, dann psychisch. Früher traten Todesfälle durch Marasmus (allgemeiner körperlicher und geistiger Kräfteschwund und Verfall) häufig in Findelhäusern auf, wo die Säuglinge das frühe Streicheln entbehren mussten. Es gab keine körperlichen Ursachen für die Erklärung der Todesfälle außer dem Fehlen der offenbar unentbehrlichen belebenden Reizung durch Streicheln..."


Die Einprägungen der ersten Lebenserfahrungen  im Gehirn des Menschen bestimmen darüber, ob er später dem Leben gegenüber ein bejahendes Verhalten, ob er später dem Leben gegenüber ein verneinendes Veralten oder ob er dem Leben gegenüber ein abweisendes Verhalten zeigen wird.

Es ist also von grundlegender Bedeutung ob das Kind von seinen ersten Bezugspersonen, vornehmlich von seiner Mutter, sowie von seiner Umwelt vertrauenbahnende Impulse erhält, oder ob es auf der frühesten Entwicklungsstufe Misstrauen erzeugende Erfahrungen macht. Die Bindungswissenschaftler sind sich einig darin, dass das Kind schon sehr früh die Fähigkeit besitzt Zusammenhänge zu erkennen und diese zu einer entsprechenden Lebensanschauung auszuwerten.


Der Schweizer Psychologe Jean Piaget kam aufgrund genauer Beobachtungen von Säuglingen zu dem Schluss, dass das Kausalitätsbewusstsein, d.h. die Einsicht in den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, beim Kind schon in den ersten Monaten erwacht und dass es gegen Ende des zweiten Lebensjahres voll entwickelt ist.

"Im Laufe der ersten zwei Lebensjahre scheinen die Entfaltung sensomotorischer Intelligenz und dazu die entsprechenden Deutungen des Universums zu einem Gleichgewichtszustand zu führen, der an rationale Denken grenzt. (Kant spricht hier vom transzendentalen "Ich denke"). Es ist anzunehmen, dass dieser Gleichgewichtszustand, der sich gegen Ende des zweiten Lebensjahres zeigt, das Ergebnis der Schlussfolgerung ist, die das Kind über sich selbst und über andere zieht: Aus dieser Schlussfolgerung zieht das Kind seine Lebensanschauung. Es gewinnt eine Einstellung zu sich selbst und dem Leben gegenüber, die es für immer beibehält."


Hier ist also die Nahtstelle, von der ab das weitere Lebensmuster entweder in gläubigen Vertrauen das Leben oder in ungläubigen Misstrauen unaufhaltsam verfeinert und verstärkt wird. Auf die elementare Bedeutung, die die ersten drei bis fünf Jahre des Lebens für das Kind hat, kann nicht dringend und ernsthaft genug hingewiesen werden. Alle späteren Entscheidungen, die das heranreifende Kind und später der erwachsene Mensch fällt, basieren auf jenem Grundgefühl, jenem Ur-Vertrauen oder Ur-Misstrauen, welches sich dem Menschen als "erstes" eingeprägt hat. Wir sollten bei diesen grundlegenden Fragen, die direkt mit den neuronalen Verdrahtungen im Gehirn des Menschen zu tun haben, äußerst achtsam sein. Die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschung können uns dabei wertvolle Hilfestellungen leisten.



Wenn folglich von den "Gestaltungsmöglichkeiten im Alter" die Rede ist, sollten diese Grundausstattungen des Menschen in die Überlegungen, die diese Gestaltungsmöglichkeiten betreffen, einbezogen werden. Sie sind für alle fünf Punkte, die Prof. Dr. Kruse innerhalb seines Vortrags benennt, von eminenter Bedeutung, denn wir müssen uns immer wieder verdeutlichen, dass die Grundausstattungen seit frühester Kindheit wirksam sind und ihre Wirksamkeit auch im hohen Alter nicht verlieren. Den gesamten Beitrag findet man leicht im Internet in der Mediathek des SWR. Man muss nur den Titel des Vortrages und/oder den Namen des Vortragenden in die Suchmaschine eingeben.


Menschen mit einem tief angelegten Ur-Vertrauen sind lebensbejahend und äußern diese Lebensbejahung in dem sie ihre Mitmenschen aufmuntern durch positives Denken. Menschen, bei denen von Beginn an Misstrauen angelegt ist, verneinen das Leben, "ziehen uns hinab", finden an allem etwas zu bemängeln und sehen in den anderen Menschen stets nur deren Schwächen und Fehler. Sie  sind unfähig, deren Kompetenzen und Leistungen anzuerkennen. Es sind jene, von denen Goethe sagt, dass der "Beste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt". Diese aber findet man  in den Chefetagen der Wirtschaft und Industrie, in den Chefetagen der Banken und in denen der Medien aber auch auf der Strasse. Zwielicht ist ihr zweites Gesicht. Es ist der Selbstzweifel, das verminderte Selbstwertgefühl, und zuweilen der Selbsthass, der in ihnen wütet.  Je tiefer dieser Selbstzweifel und das geringe Selbstwertbewusstsein, umso größer müssen die Statussymbole sein, die die eigenen Unwertgefühle ausgleichen sollen. Sie leben nicht durch sich, sondern durch die Höhe der Summen auf ihren Bankkonten, durch den Prunk in ihren Villen, sie leben nicht durch sich selbst, sondern werden durch ihre Statussymbole gelebt.



Die Alten, die nach Gestaltungsmöglichkeiten suchen, sollten wissen, dass Statussymbole wie "mein Haus, mein Boot, mein Geld" dieses Unwertgefühl nie ausgleichen können, ganz zu schweigen, dass sie sie heilen. Die Alten sollten wissen, dass diese Leute sich selbst betrügen.


"Am schwersten", sagt der Paderborner Philosoph Hans Ebeling, "wiegt unter den Irrtümern des Selbstbetrugs das ästhetische Wohlgefallen an sich selbst, weniger der Narzissmus der Jünglinge oder die Selbstaffektion der weiblichen Jugend, denn hier ist immerhin von Schönheit die Rede. Gemeint ist vielmehr die Behäbigkeit, die dickbäuchige Saturiertheit, die doch nur nach immer erneuerter Befriedigung der Gefräßigkeit verlangt. Solches Wohlgefallen an sich selbst, das doch nicht zur Ruhe kommen kann, ist nur das Werk und die Tat der Gier als Besitzgier. Das eigentliche Laster der Alten, der Geiz, ist ihr Ausdruck. Was abgegeben wird, sind nur Worte. Der unbegrenzte Redefluss, der externalisierte Autismus, die Anschlusslosigkeit an die Welt, belegt  Erstarrung der Behäbigen nicht weniger als ihr Stummsein. Der quasi animalische Stumpfsinn, der an kein Lebensalter gebunden ist, im Alter aber besonders signifikant wird, ist freilich an der Selbstbetrunkenheit der Rede vorzüglich zu studieren, und zuweilen nicht lediglich der Alltagsrede, sondern speziell der Sophistifikation."


An anderer Stelle beklagt Ebeling in seinem Buch "Über das Alter und das Ende der Torheit", dass die Gattung Mensch "zur vernünftigen Selbsterhaltung qua Selbststeigerung erkennbar nicht fähig ist, und daher prinzipiell auch nicht überlebensfähig - außer bei der Zuhilfenahme rigoroser Mittel der Suppression. Nur einzelnen ist die vernünftige Selbststeigerung zuzutrauen. Die Massen dagegen haben durch technische Intervention, nämlich sogenannter Informationssysteme, tatsächlich nur Systeme der Desinformation, global einen (sit venia verbo) Verblödungsgrad erreicht, den die Religionen niemals bewerkstelligen konnten."


Zum Thema "Selbstbetrug" formuliert Hans Ebeling ferner: "Der aktuelle kollektive Selbstbetrug, der längst zu einem durch immer wieder 'andere' vermittelten Betrug geworden ist und jede Wohlgefälligkeit der Gefälligkeit der Werbewelt unterordnet, also der Prostitution, erweist sich damit in der letzten und dürftigsten Instanz lediglich als Selbstprostitution. Die Unwahrhaftigkeit vor sich selbst ist die mangelnde Ernsthaftigkeit, sich die Selbstprostitution einzugestehen als die letzte Form der Selbstenteignung. Daraus folgt: Der von den so Prostituierten ausgehende inzwischen lebensgefährliche Betrug an den anderen, nachdem er zunächst an jeden selbst praktiziert war. Die Kreisbewegung des Betrugs schließt sich immer wieder nur mit neuem und erneuertem Betrug zusammen".


Wenn wir folglich die Gestaltungsmöglichkeiten im Alter nutzen wollen, sollten wir den Selbstbetrug erkennen, ihn vermeiden und ausmerzen.


Bund der Pflegeversicherten E.V. (alter-aktiv-bdpv)

Gerd Heming (Vors.), Münster, Juni/Juli 2016


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Generation 50plus - nur die Klugen siegen

 

Die Generation 50plus sollte achtsam sein darauf, was in ihren Gehirnen vor sich geht. Sie sollten prüfen, welche Mengen an Müll sich dort im Lauf der Jahre angesammelt hat. Die Alten können das, denn im Gegensatz zu den Jüngeren, deren Gehirne in der Regel bereits völlig zugemüllt sind, sind in ihren Gehirnen viele wertvolle Erfahrungen gespeichert, Erfahrungen, die wieder in die Erinnerung gehoben werden müssen und unter deren Anleitung unseren dekadenten westlichen Gesellschaften neue ethische und moralische Richtungen vorgegeben werden könnten.


Die giftigsten Müllsorten in den Gehirnen der Menschen zeigen sich beispielsweise darin, wenn Menschen glauben, sie könnten sich von ihren natürlichen Bedingungen straflos entfernen - oder: wenn gerade die Alten denken, Altern sei eine Krankheit, die zu behandeln möglich sei. Altern ist keine Krankheit. Altern ist nicht behandelbar. Vom Tage unserer Geburt an altern wir, vom Tage unserer Geburt an sterben wir.


Da hilft auch nicht der Müll des so oft beschworene Jugendlichkeitswahns oder Anti-aging-Programme. Diese Arten von Müll müssen entsorgt werden, den sie sind Irrwege, geistige Verirrungen - eben wahnhaft. Wer sich ihnen verschreibt, wer sich ihnen ausliefert, wer ihnen wie in  einem religiösen Fieber verfällt, gibt seiner Vernunft den finalen Schuss. Er tötet das, was den Menschen zum Menschen macht.


Warum nur sind ausgerechnet Geist und Macht ein deutsches Problem? Woher kommt diese untertänige Begeisterung vor der angeblichen Macht? Warum kämpfen Menschen schier bis zum letzten Atemzug für ihre Verknechtung, als ginge es um ihr Seelenheil?


Ist es  die  Macht des Wortes, die Menschen tötet? Ist es die Dumpfheit des herrschenden Systems? Ist es die hinterlistige Raffinesse dieses Systems?   Es ist nicht leicht, Menschen zu ihrem Glück zu überreden, aber es ist relativ leicht, sie zu ihrem Unglück zu überreden. Es ist der Müll, den die westlichen Regierungen und ihre Helfershelfer, die Medien, in die Gehirne der Menschen während der letzten Jahrzehnte  abladen. Die eigene Dämlichkeit wird zum Kult erhoben.


Noch sind die Alten stumm. Nur hier und da wird Erwachen und Abwehr spürbar. „Uneinsichtig, erinnerungslos und ohne Einkehr verläuft und endet das Leben der Meisten“, sagt der Paderborner Philosoph Hans Ebeling, „sie lassen das Alter verstreichen wie das ganze bisherige Leben selbst. Ein Leben ohne Einsicht, Erinnerung und Einkehr ist nicht ‚lebensunwert’, aber belanglos. Die Humanität gebietet, noch das Belanglose zu schützen. Aber besondere Achtung darüber hinaus kann solchem weithin ‚bewusstlosen“ Lebensvollzug nicht zugebilligt werden“. Die aber, so der Philosoph, also jene, die ohne Einsicht, ohne Erinnerung, ohne Einkehr seien, würden den Weltenlauf bestimmen. 'Gemeint sind die Schröders, die Merkels, die Schäubles, die Gaucks, kurz: die gesammelte Deutsche politische unselige Horde „Sie missbrauchen noch das *Weltgericht’. Die Alten aber ergeben sich dem Trost oder der Trostlosigkeit des Alters. Das Ende der Torheit setzt dagegen voraus, von sich aus aus der Zeitgenossenschaft herauszufallen. Spätestens für das Alter gibt es nur eine ‚Überlebensform’ des Geistes: Unzeitgemäß zu sein“.


Die Alten sind immer noch weitgehend stumm!


Wie aber soll ein stummes Alter Achtung gebieten? Es liegt ein riesiger Irrtum darin, zu glauben, dass Weisheit schweigt. Weisheit, die stumm ist, ist nutzlos, sie ist töricht. Dies ist  verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Deutschen ein Volk des Alters, ein Volk der Weisheit sind.

Warum lassen dann aber die Deutschen es zu, dass das Alter und der demografische Wandel im derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Prozessen kein Thema sind?  Wo bleiben jene Fragen, die das Alter um seiner selbst und um seiner Achtung willen stellen sollte?“ Ist den Alten nicht klar, dass Fragen, die nicht gestellt werden, logischerweise ohne Antwort bleiben?  

 

Ist es denn wirklich der Müll des Jugendlichkeitswahns und die wahnhafte Hoffnung auf Anti-aging-Programme, die den Alten die Lippen verschließen?


Solange die Alten an den Illusionen und Erwartungen der Jugend festhalten und das, was sie wollen nur in diesem Kontext sehen, verstricken sie sich in ein immer verzweifelteres Spiel, das sie nur verlieren können. Das Streben nach Jugendlichkeit macht blind für die Möglichkeiten des Alters. Die Verdrängung des Alters blockiert jede Weiterentwicklung und verhindert, dass sich Lebensmöglichkeiten eröffnen, die den Alten, wenn sie realistisch Stellung bezögen, zur Verfügung stünden. Solange sie in der Jugendfalle stecken, können sie die Potenziale des Alters gar nicht wahrnehmen. Die eigene Haltung verhindert die Entwicklung von fruchtbaren Lösungen.


Es ist längst wissenschaftlich belegt,  dass die Entwicklung der Intelligenz, die Fortbildung des individuellen Selbst, die Entfaltung von Kompetenzen und Generativität bis ins hohe Alter, bis ins hundertste Lebensjahr und darüber hinaus möglich ist. Sicher ist aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit, die letzten Lebensjahre in einer Alten- oder Pflegeeinrichtung zu verbringen, mit zunehmendem Alter bis auf nahezu hundert Prozent in die Höhe schnellt.

Aber das ist in Deutschland kein Thema – und die Alten schweigen. Sie lassen es zu, dass ihre Kompetenzen und Potentiale ungenutzt bleiben. Sie lassen es zu, dass so ein gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, der unermesslich und unersetzlich ist und nie wieder rückholbar.


So bleibt die Macht in den Händen der Uneinsichtigen und Unbelehrbaren. Zu erinnern bleibt der über Jahrtausende anhaltenden Stillstand der Geschichte aus dem anhaltenden Willen zur Macht. „Der tragische Stil der Geschichte“, so Hans Ebeling, „ist nicht allein dadurch bestimmt, dass Verwirrungen selbstinszeniert werden. Tragisch ist, dass eigentlich nichts geschieht als die Aufsteigerung und Abgleichung blanker Selbsterhaltungsquanten. Handelte es sich nicht um die Geschichte von Menschen, wäre es möglich , das Komödiantentum in der Tragödie mehr zu schätzen“.


Unverzeihlich ist das Schweigen der Alten besonders dort, wo es um die Lebensqualität ihrer Alten, der über 80jährigen, geht. Unverzeihlich ist es und verachtungswürdig, dass die Alten nicht geschlossen gegen das heutige Anstalts- und Heimsystem aufstehen und kämpfen.

Das heutige Anstalts- und Heimsystem entstand als Problemlösung des 19. Jahrhunderts für den Ausgleich zwischen Stärkeren und Schwächeren - unter den Bedingungen der beginnenden Industrialisierung und Marktwirtschaft war es segensreich und oft lebensrettend. Viele Gründe zwingen jedoch im 21. Jahrhundert das Heimsystem auf den Prüfstand, um zu klären, ob und in welchem Umfang es heute noch den Belangen der Alten, der Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf, der geistig Behinderten, der psychisch Kranken und der (behinderten) Kinder und Jugendlichen angemessen sein kann - und  überhaupt muss. In all diesen Bereichen, in denen es um Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf geht, sind längst ambulante kommunale Alternativen, die eine Integration der Betroffenen ermöglichen, bekannt. Sie werden bisher aber nur unzureichend angeboten. Insofern sind wir in den Umbau des Heimsystems bereits eingestiegen, es ist aber an der Zeit, ihn systematisch zu erfassen und behutsam zu steuern, damit nicht gerade die Verletzlichsten in der Gesellschaft seine Opfer werden. Der Umbau ist insbesondere gesetzgeberisch sowie sozialpolitisch zu begleiten, wie dies z.B. in einigen skandinavischen Staaten bereits geschieht.

 

Die Solidarität mit Menschen mit erhöhtem Hilfe- oder Pflegebedarf wird in Zukunft stärker als bisher zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden, da dem - vor allem demographisch bedingten - Anstieg der Zahl dieser Mitbürger eine Abnahme der verfügbaren Geldmittel und eine Abnahme der Tragfähigkeit familiärer Netzwerke gegenüberstehen. Hinzu kommt, dass immer weniger alte wie behinderte Menschen bereit sind, in ein Heim zu gehen, weil sie dies für unvereinbar mit ihren Persönlichkeitsrechten halten. Dies wirft auch verfassungsrechtliche Fragen auf ("besonderes die Frage nach den Gewaltverhältnissen"): vor allem die Frage nach der Verantwortbarkeit des Lebens in Heimen für heutige Menschen. Schließlich können wir auch nicht mehr die Augen davor verschließen, dass es Heimen zunehmend schwer fällt, auch nur die Mindeststandards der Versorgung einzuhalten oder entlassbare Heimbewohner auch tatsächlich zu entlassen.

 

Die Institution "Heim" ist als Versorgungstyp eine Innovation vor allem des 19. Jahrhunderts, als die Bürger unter den Gegebenheiten der beginnenden Moderne ihre "Sorge für Andere" zunehmend auf die abstrakteren Geldleistungen umstellten. Das "Heim" kann jedoch den Ansprüchen der Individualisierung und der expandierenden Persönlichkeitsrechte der post- oder spätmodernen Menschen des 21. Jahrhunderts nicht mehr gerecht werden. Daraus ergibt sich eine Doppelaufgabe: Zum einen müssen schon jetzt real existierende Missstände pragmatisch angegangen werden. Ebenso gilt es, ambulante kommunale Hilfestrukturen weiterzuentwickeln und auf eine breite Basis zu stellen, um den notwendigen Halt in die Lebenswelt der Menschen zu holen. Der Gesellschaftsvertrag zwischen Menschen mit mehr und Menschen mit weniger Sorgebedarf ist auf eine neue, zeitgemäße Basis zu stellen.

 

Haben wir also aus all diesen Gründen das Hilfesystem für den Ausgleich zwischen Schwächeren und Stärkeren im Sinne der "community care" dahin zu entwickeln, dass Heime so weit wie möglich reduziert und dafür besser ausgestattet werden und an deren Stelle zunehmend ein ambulantes kommunales Hilfesystem tritt? Oder gibt es bessere Wege? Und haben wir die eher zunehmende Bereitschaft der Bürger zu (selbstbestimmtem) freiwilligem sozialen Engagement als Signal zu verstehen, nicht mit noch mehr Geldmitteln, wohl aber - wie vor dem 19. Jahrhundert - mit mehr Sachmitteln solidarisch für Andere einzustehen, um ihren Anspruch auf soziale Teilhabe zu erfüllen und dies für den richtigen Weg zur Weiterentwicklung einer Bürger- oder Zivilgesellschaft zu halten?

 

Ihr Männer und Frauen der Generation 50plus, entfernt aus Eueren Gehirnen den Müll der vergangenen dreißig Jahre, wacht auf, wehrt Euch. Denn ihr habt besseres verdient.

 

Bund der Pflegeversicherten e.V.

 

Gerd Heming (Vors.), Münster, Mai 2016


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Die Retter der Welt

Zur Rettung alles Lebendigen ist „neues Denken“ notwendig gefordert! Folglich ein Denken, das auf Absolutheit und Objektivität zugunsten eines freien, demokratischen und konsensuellen Diskurses verzichtet. Ein Denken, das erkennt, dass die Welt des Gehirns nahezu beliebig ist und dass wir Menschen selbst es sind, die die Welt für uns erschaffen – jene Welt, die wir dann leben. Es ist unsere Vernunft, die der Natur die Gesetze vorschreibt. Ein solches Denken weiß um die Macht des Denkens, es erkennt die Paralogismen und Antinomien und es erkennt z.B. die widersprüchliche Logik des folgenden  Satzes: ‚Wenn du den Krieg vermeiden willst, dann bereite dich auf den Krieg vor’. Es weiß, dass genau das, worauf wir uns vorbereiten, auch eintreten wird. In diesem Falle Krieg. In jenem Fall Frieden. Richtig muss es demnach heißen: ‚Wenn du den Krieg vermeiden willst, dann bereite dich auf den Frieden vor. Denn das, worauf du dich vorbereitest, das bekommst du!’ In gleichem Sinn kann es heißen: ‚Wenn du Krankheit vermeiden willst, dann bereite dich auf die Gesundheit vor! Denn wenn du dich auf die Krankheit vorbereitest, dann wirst du krank’. Das neue Denken beginnt mit einer einzigen Frage, die jeder an sich selbst immer wieder stellen muss: Warum denkeich so, wie ich denke?  

 

Der 2002 verstorbene Philosoph, Physiker und Kybernetiker Heinz von Foerster formulierte in Bezug auf Objektivität:  „Objektivität ist die Selbsttäuschung des Subjekts, Beobachtung sei ohne es möglich. Die Anrufung der Objektivität ist gleichbedeutend mit der Abschaffung der Verantwortlichkeit; darin liegt ihre Popularität“

 

Dieses neue Denken wird auch nicht mehr den Menschen zum Maß aller Dinge haben, sondern das Leben insgesamt. Humanistisches Denken führt in die Irre. Es ist die Ehrfurcht vor dem Leben in all seinen Arten und Formen, dass das neue Denken zum Maße hat. Denn nur wenn wir mit dem Leben insgesamt voller Ehrfurcht umgehen, wird das, was wir das Humanum nennen, überlebensfähig sein. Ein weiser Mensch hat einmal gesagt: „Solange wir noch Schlachthäuser bauen, solange werden wir die Welt in ein Schlachthaus verwandeln“. Kurz: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Das Gewicht liegt auf dem Wort "Tat". Bloßes reden über das Gute allein, hilft  nicht weiter.

 

Wenn der Mensch mittels seiner Vernunft über die Gesetze der Natur gebietet, dann ist es seine erste Pflicht, die Vernunft in sich bis zur völligen Reife zu entwickeln und zu bilden, denn bevor er lernt die Natur zu beherrschen, muss er gelernt haben, sich selbst zu beherrschen. Diesen Appell zur Selbstbeschränkung verband der große Humanist Albert Schweitzer mit seiner Forderung nach „Ehrfurcht vordem Leben“, Ehrfurcht vor allem Lebendigen. Denn Leben ist leben inmitten von Leben, das leben will". Ehrfurcht vor dem Leben muss heute – auf einem ökologisch überlasteten Planeten – auch bedeuten, eine maßlos gewordene Spezies, die Menschen, in ihre Grenzen zu verweisen.  

 

Einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 20.Jahrhunderts, Erwin Chargaff (1990), beendete seinen Vortrag über die Zukunft der Menschheit mit den denkwürdigen Worten: „Das kommende Jahrhundert wird ein  Jahrhundertder Askese sein, oder ein Jahrhundert unvorstellbar blutiger Kriege. Entschuldigen Sie das Ende.“

 

Es sind die Alten, die hier die Führung übernehmen müssen. Auch das gehört zum "neuen Denken". Denn dass der Jugend die Zukunft gehört, ist amputiertes Denken: Die Zukunft liegt in den Händen der Alten.

 

Wie kann die Menschheit überredet werden, in ihr eigenes Überleben einzuwilligen? Dies ist die zentrale Frage, auf die meines Erachtens insbesondere die Alten alle Anstrengung verwenden müssen, um geeignete Antworten zu finden. Das könnte der Höhepunkt der Freiheit des Alters und ein phantastisches Abenteuer für die Alten sein. Die Jungen allein werden darauf kaum geeignete Antworten finden können. Denn die Antworten verlangen neben Experten- und reichem prozedural-strategischem Wissen, das Wissen um die Lebenskontexte und den gesellschaftlichen Wandel, es verlangt Wissen, das die Relativität von Werten und Lebenszielen berücksichtigt und es verlangt Wissen das die Unsicherheiten des Lebens berücksichtigt.E rfahrungswissen ist besonders dann gefragt, wenn jenes schulische und theoretische Wissen bzw. analytische Herangehensweisen nicht mehr weiterhelfen, was die Jüngeren in dieser Breite und Detailliertheit noch nicht erreicht haben können. Es werden  nicht viele Jungen sein, die Lebensklugheit und wohlverstandene soziale Kompetenz  schon in jungen Jahren erlangt haben.  

 

Die Voraussetzungen dafür, dass die Alten ihre Ressourcen, ihre persönlichen und sozialen Kapazitäten entfalten können, sind so gut wie nie in der Geschichte der Menschheit. Es liegt ein "evolutiver Sinn" darin. dass die Menschen insgesamt in diesen krisenhaften Zeiten, in denen die alten Weltbilder reihenweise einstürzen und in denen der Boden für Ethik und Moral schwankend geworden ist, dass die Menschen in diesen unbestimmten Tagen ein so hohes Lebensalter erreichen. In der Tat könnte das als ein Zeichen der Evolution gedeutet werden – allerdings nur, wenn es den Alten gelingt, die zusätzlichen Lebensjahre zu nutzen und an der Gestaltung einer Welt und eines Menschenbildes mitzuwirken, das nicht mehr, wie die alten, auf ideologischen und somit tönernen Füssen steht.

 

Insgesamt gesehen ist die gesellschaftliche Bedeutung des Alters heute in der Regel passiver Natur. Statt Akteure, sind sie eher Empfänger – und nicht selten Opfer – von Entscheidungen, die andere für sie durchsetzen bzw. einfordern. Sie sind in ihrer Masse eher Mitläufer als Gestalter. Aus der Mitläufer und Opferrolle gilt es nun, sich zu befreien. Für die Bewältigung oder besser Gestaltung jener mehr als 40 Lebensjahre, die die Menschen in den entwickelten Ländern im Verlauf der letzten 150 Jahre hinzugewonnen haben, ist die Bewusstwerdung des Charakters als inneres Prinzip von unabdingbarer Bedeutung. Nur so können die Alten es unternehmen, die Zeichen der Evolution zu deuten, sie auf ihre gangbaren Möglichkeiten zu überprüfen und dann die ihnen eigenen Potentiale zur Beantwortung der oben gestellten Frage umzusetzen.  

 

Die Alten sollten sich nicht irremachen lassen vom Getöse öffentlicher und veröffentlichter Meinung. Denn in der Masse ist selten der Verstand zu hause und in den Medien werden Interessen verkauft, nicht  Wirklichkeit und noch weniger Wahrhaftigkeit.

 

Die Probleme, die zu lösen sind, werden nicht von einer „Spaßgesellschaft“ gelöst; ernste Probleme müssen von ernsthaften Menschen gelöst werden. Es geht ja nicht allein ums Fortbestehen der Menschheit – das könnte sie durch die bisherige Fortpflanzungsweise erreichen – vielmehr muss es um eine Art „Hinaufpflanzen“ im Sinne Nietzsches geben, der gesagt hat: „Nicht fortpflanzen sollt ihr euch nur, sondern hinauf!“.  

 

Hinaufpflanzen hängt aber nicht von der wirtschaftlichen Nützlichkeit ab oder von  „Verwertbarkeit“ im ökonomischen Sinne. Beim Hinaufpflanzen geht es um die Gesellschaft als Ganzem, um unser Gemeinwesen, um kulturellen Fortschritt. Diese gilt es voran zubringen. Darin liegt Sinn. Denn dabei handelt es sich um ein Ziel, dass nicht nur seinen Sinn in sich selbst hat, sondern darüber hinaus lebenslanges Lernen beinhaltet und das Menschliche im Menschen entfaltet. Alte Menschen, die dies als großartige Möglichkeiten für sich entdecken, werden nicht aus jenen Sinnbezügen herausfallen, die so oft Ohnmacht begründen. Es ist zwar auch dann noch möglich, dass einzelne den teilweisen oder totalen Verlust von Sinnbezügen erleben. Aber dieser Verlust ist seltener beiden Alten anzutreffen als bei jenen Mitgliedern der Gesellschaft, die ihre Fantasie, Kreativität und Neugier verloren haben. Und das ist offenbar immer häufiger der Fall auch und gerade bei den Jüngeren.  

 

Der Lebenslauf misslingt deshalb vielen, weil sie nicht verstehen, dass die Festigkeiten, an die sie sich klammern, trügerisch sind. Das Klammern an trügerischen Festigkeiten ohne die Fähigkeit des Loslassenkönnens begründet dann allerdings eine Situation der Ohmacht, „die auf zweierlei Weise aufgefasst werden kann: entweder als ein unveränderbarer Zustand, der identisch ist mit Machtlosigkeit, oder als Hinweis auf einen Zustand, der erlösungsbedürftig ist und zu dessen Beendigung Kräfte gesammelt werden müssen im individuellen wie kollektiven Sinn. Es scheint unter den Alten vor allem jene Art von Ohnmachterfahrung verbreitet, die der Realität ihre Letztgültigkeit bestätigt. Solche Menschen - ob jung oder alt - denken dann nicht mehr darüber nach, wie sie sich selbst und die Gesellschaft vorwärtsbringen, sondern verzweifelt darüber, wie sie ihrem sinnlosen Leben ein möglichst „humanes“ Ende setzen können - nur allzu oft haben solche Menschen das gesellschaftliche Urteil ihrer Nutzlosigkeit selbst verinnerlicht.

 

Eine Gesellschaft, die ihren Wert in ihrer fremdgesteuerten Verwertbarkeit sieht, kann logischerweise nicht anders als alles, was sich dieser Verwertbarkeit entzieht, als nutzlos zu verurteilen. Aber eine solche Gesellschaft macht aus Rindern Kannibalen, baut Schlachthäuser, konsumiert sich zu Tode, erntet Rinder- und Menschenwahnsinn, verdrängt die eigene Vergänglichkeit, ruiniert sich selbst und ihre Lebensbasis und lebt in einem fortwährenden Wahn der eigenen Großartigkeit. Es handelt sich hierbei um eine Gesellschaft, die auf die Frage: Wollt ihr das totale Engineering? blind, d.h. ohne Verstand, frenetisch Beifall klatscht. In Talkshows sitzen solche Menschen herdenweise herum.

 

Trotz positiver Hervorhebungen und Verklärungen der Aufgaben und Funktionen, die die modernen Alten zu bewältigen haben, ist  nicht davon auszugehen, dass den Alten körperlicher Verfall und die Gebrechen des Alters fremd sind. Schon Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) ließ folgende vier Gründe diskutieren, weil vielen das Alter als Elend erschien:

 

1.      weil es eintätiges, aktives Leben unmöglich mache;

2.      weil der Körper im Alter geschwächt sei;

3.      weil der alte Mensch fast aller Vergnügungen beraubt sei und

4.      weil man im Alter unvermeidlich mit dem eigenen Sterben konfrontiert werde.

 

Cicero: “Nichtssagend sind (...) die Reden derer, die dem Greisenalter die Tätigkeit absprechen, und es ist ungefähr so, wie wenn man behaupten wollte, der Steuermann tue bei der Schifffahrt nichts, während die einen auf die Mastbäume klettern, andere in den Gängen umherlaufen und wieder andere das Grundwasser ausschöpfen, sitze er, das Steuer haltend, hinten ruhig auf dem Deck. Freilich tut er nicht das, was die jungen Leute tun, aber dafür ungleich Wichtigeres und Besseres. Nicht durch Kraft oder körperliche Behändigkeit und Schnelligkeit werden große Leistungen vollbracht, sondern durch besonnenen Rat, durch das Gewicht der Person, durch gereiftes Urteil: Eigenschaften, die im Alter nicht verloren gehen, sondern sogar noch zu zuwachsen pflegen."

 

“Aber das Gedächtnis nimmt ab.!“  

 

Cicero: "Nun ja, wenn man es nicht übt, oder auch, wenn man von Natur etwas langsam im Kopfe ist. (...) Die Geisteskräfte bleiben den Alten, wenn nur Eifer und Fleiß bleibt, und nicht allein bei angesehenen Staatsmännern, sondern auch im ruhigen Leben eines Privatmannes".  

 

" Aber das Alter ist nicht lebenswert, weil der Körper geschwächt ist!"

 

Cicero. "Ich vermisse für jetzt wenigstens nicht die Kräfte des Jünglings,  ebenso wenig, wie ich in meiner Jugend die Kräfte eines Stiers oder Elefanten vermisste. Was man hat, das soll man nutzen, und was man auch tun mag, nach Maßgabe seiner Kräfte tun. Kämpfen wie gegen eine Krankheit muss man gegen das Alter, Rücksicht nehmen auf seinen Zustand, mit Maßen den Körper üben, und man darf nur soviel Speise und Trank zu sich nehmen, dass die Kräfte ersetzt, aber nicht erstickt werden. Aber nicht allein dem Körper muss man zur Hilfe kommen, sondern noch um vieles mehr dem Geist und der Seele; denn auch diese erlöschen im Alter, wenn man nicht, wie bei einer Lampe, Öl zuträufelt. Durch sehr ermüdende Übungen wird der Körper überlastet, der Geist hingegen fühlt sich durch Übungen erleichtert."

 

"Aber alte Menschen haben keine Vergnügungen mehr!"

 

Cicero: "Könnten wir die Sinnenlust nicht mit Hilfe der Vernunft und Weisheit verschmähen, wir wären dem Greisenalter großen Dank schuldig, da es bewirken würde, dass uns nicht nach dem gelüstet, wonach uns nicht gelüsten sollte. Denn die Sinnlichkeit verhindert Überlegung, ist der Vernunft feind, sie blendet sozusagen die Augen des Verstandes und hat keinen Umgang mit der Tugend. Wozu nun so viele Worte über die Sinnenlust? Weil es nicht nur kein Tadel, sondern vielmehr das höchste Lob des Greisenalters ist, dass es nach keinen sinnlichen Vergnügungen großes Verlangen hat."

 

“Aber das Alter kennt nicht Schmausereien, reich besetzte Tafeln und häufige Zechgelage.!“

 

Cicero: "Nun, so kennt es auch nicht die Trunkenheit, verdorbene Mägen, Unwohlsein, Reue und  Schlaflosigkeit."

 

"Aber das Alter bietet nichts als Schrecken, weil der eigene Tod unvermeidlich bevorsteht!"

 

Cicero: "O traurig ist es um den Alten bestellt, der in einem so langen Leben nicht verstanden hat, dass der Tod zu verachten ist! Denn entweder braucht man ihn gar nicht zu beachten, wenn er den Geist völlig auslöscht, oder man muss ihn sich sogar wünschen, wenn er ihn irgendwohin führt, wo er ewig sein soll; und ein drittes kann nicht gefunden werden. Was soll ich also mich ängstigen, wenn ich nach dem Tod entweder nicht elend oder sogar glückselig sein werde?“

 

"Aber das Alter hat nicht einmal etwas zu hoffen!“

 

Cicero: "Folglich ist der Alte um so besser dran als der Junge, insofern er das, worauf der noch hofft, schon erlangt hat. Jener will lange leben, dieser hat lange gelebt. Denn auch der Schauspieler muss, um zu gefallen, sein Stück nicht bis zu Ende spielen, wenn er nur in irgendeinem Akt, in dem er auftritt, Beifall erntet, und ebenso braucht der Kenner nicht bis zum „Klatscht Beifall“ zu kommen. Denn eine kurze Lebenszeit ist lang genug zu einem guten und rechtschaffenen Leben; ist man aber älter geworden, so soll man darüber nicht mehr trauern, als etwa der Bauer klagt, dass auf den holden Frühling Sommer und Herbst gefolgt sind. Denn der Frühling ist gewissermaßen ein Bild der Jugend und weist voraus auf die künftigen Früchte; die übrigen Jahreszeiten aber sind zum Ernten und Einbringen der Früchte da. Die Frucht des Alters aber ist, wie ich oft gesagt habe, das Bewusstsein früher erworbener Güter und ihre Fülle. Alles aber, was nach dem Gesetz der Natur geschieht, ist zu den Gütern zu rechnen. Was ist aber naturgemäßer, als dass die Alten sterben? Doch das ist das beste Lebensende, wenn bei ungeschwächtem Geist und gesunden Sinnen die Natur selbst das Werk, das sie zusammengefügt hat, auch wieder auflöst. Wie ein Schiff, wie ein Gebäude der am leichtesten einreißt, der es gebaut hat, ebenso löst auch den Menschen die Natur, die ihn zusammengefügt hat, am besten wieder auf. Nun wird alles, was neu zusammengefügt ist, schwer, was alt geworden ist, leicht wieder getrennt. Daraus folgt, dass die Alten diese kurze Neige des Lebens weder begierig herbeiwünschen, noch ohne Grund aufgeben sollen."

 

Die Zukunft liegt in den Händen der Alten - allerdings nur jener Alten, die es vermögen,sich von allem alten Denken zu befreien, die erkannt haben, dass Freiheit einzig in der Unabhängigkeit von Fremdbestimmung besteht.

 

Für sie gilt, dass Aufklärung "der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit ist. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere Aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist als der Wahlspruch derAufklärung".

 

Nur jene, die diesen Wahlspruch der Aufklärung durch langes, sich ständig wiederholendes Sinnen in seiner ganzen Tiefe begriffen haben, werden fähig sein, eine für alles Leben und für alles Lebendige lebenswerte Welt zu schaffen.

 

Warum denke ich so, wie ich denke? Woher weiß ich, was ich zu wissen glaube?

 

alter-aktiv-bdpve.V.

Gerd Heming(Vors.), März 2016

 

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TTIP und die Generation 50plus (G.H. Pfingsten 2015)

 

Teil 1 Die verantwortungslose Generation 50plus  

Altern findet  in der Regel heute in einem Umfeld statt, wie es früheren Generationen verschlossen war.  Einhundertfünfzig Jahre zuvor, um 1850, betrug die mittlere Lebenserwartung der westlichen Welt – die Welt unserer Urgroßmütter und Urgroßväter - etwa sechsunddreißig Jahre. Noch 1957, dem Jahr, in dem die  noch jetzt in großen Teilen gültige Rentenreform gesetzliche Kraft erhielt, wurden die Menschen in Deutschland im Mittel siebenundfünfzig. Heute, 2015, ist die menschliche Langlebigkeit in den entwickelten Ländern der Welt auf runde achtzig Jahre gestiegen. Summa summarum: In den vergangenen einhundertfünfzig Jahren fügten hygienische Umsicht, Arbeitsschutzgesetze und eine moderne Sozialstaatlichkeit sowie solidarisches Miteinander dem menschlichen Leben  vierundvierzig wertvolle Jahre hinzu. Vierundvierzig zusätzliche Jahre! Jahre, die nicht nur verlebt, sondern gelebt-  bewusst, selbstbestimmt und gelungen gelebt werden wollen. Der medizinische Fortschritt hat an dieser Entwicklung, entgegen der Meinung Vieler, nur einen marginalen Anteil.

 

Das Umfeld, in dem gelingendes Altern heute stattfinden könnte, ist- wie gesagt - gut. Die psychischen, physischen, sozialen, kulturellen, ökologischen und ökonomischen Voraussetzungen stimmen.  Ob es jedoch den Alten gelingt, diese Jahre zu leben, statt gedankenlos dahin zu vegetieren, liegt bei jedem von ihnen selbst. Dazu ist „Wissen“ als bloßes Wissen belanglos und akademische Grade machen eher blind für die Abenteuer des Alters. Worauf es ankommt, ist Einsichtigkeit, d.h. Einsicht in die Dinge des wahrhaftigen Lebens, dazu gehören Anstand und Ehrbarkeit sowie ein tiefes Wissen um Gerechtigkeit, Tapferkeit, Besonnenheit und Weisheit.  Erst wenn das „wahre Wissen“ zum individuellen Denkeigentum geworden ist, wenn das „Wort Fleisch geworden“ ist, ist die Hochzeit erreicht. Wovon hier die Rede ist, ist nicht gelerntes und gelehrtes Wissen, sondern Wissen, dass jeder sich selbsttätig durch Reflexion aneignen muss.  

 

Der allgemeine Blick auf die Generation 50plus von Heute führt jedoch in tiefste Enttäuschung. Die Alten von Heute denken nicht, sie werden gedacht, andere übernehmen für sie das Denken, sie leben nicht durch sich selbst, sie werden gelebt. Wie sagte der Paderborner  Philosoph Hans Ebeling: „Uneinsichtig, erinnerungslos und ohne Einkehr verläuft und endet das Leben der meisten. Sie lassen das Alter verstreichen wie das ganze bisherige Leben selbst. Ein Leben ohne Einsicht und Einkehr ist zwar nicht „lebensunwert“, aber es ist belanglos. Die Humanität gebietet, noch das Belanglose zu schützen. Aber besondere Achtung darüber hinaus kann solchem weithin „bewusstlosen“ Lebensvollzug nicht zu gebilligt werden.“

 

So folgen die Alten dann blind dem aus dem Zeitgeist geborenen  Jugendlichkeitswahn und verleugnen ihr Alter. Sie begreifen nicht, dass die Verleugnung des Alters gleichbedeutend ist mit Unreife, Rückschritt und Verblendung. Sie sind unselbständig, fremdbestimmt und – obwohl sie sich selbst als klug einschätzen – überaus töricht. Tatsächlich besitzen sie weder echte Kompetenzen noch Verstand. Und die Forderung, sich ihres Denkens ohne Leitung durch andere zu bedienen, ist ihnen fremder als der Mann im Mond. Dafür verschleudern sie sich an Modische Novitäten wie Wellness-oder Anti-aging-Programmen.   

 

Der überwiegende Teil der älteren Menschen nutzt daher seine Chancen nicht.  Sie empfinden das Leben jenseits ökonomischer Verwertbarkeit nicht als neue Freiheit, und nur selten leben sie es als Abenteuer oder als Generativität. Zwar turnen sie in Sportvereinen,   füllen die Kurse der Volkshochschulen und nicht wenige nehmen die Angebote der Universitäten wahr und studieren Geschichte, Soziologie, Künste, Theologie, Psychologie, soziale Kompetenz oder Philosophie. Doch leider fehlt  ihrem vielfältigen Tun echte Aktivität, was sich in ihrem Tun vielmehr zeigt, ist pure Passivität. Selbst die hochwertigen Vorträge qualifizierter Hochschullehrer in den Hörsälen der Universitäten konsumieren sie nur, als säßen sie in Kinosälen und ließen minderwertige Filme auf sich wirken.  

 

Sie sind auch nicht gelassen und aus den Erfahrungen ihres Lebens ist keine Lebenserfahrung geworden, sondern bloße Aneinanderreihung von Ereignissen, auf die sie selbst nie Einfluss genommen, die sie nie wirklich reflektiert haben. Sie können für nichts dafür, und für ihr Versagen tragen stets andere die Schuld. Ihr gängiger Spruch heißt: „Die da oben machen ja doch was sie wollen – da kann man nichts machen“. So sind sie weder aktiv noch Lebens erfahren noch wirklich neugierig. Und ganz gewiss sind sie nicht generativ.  

 

Denn wären sie es, dann würde die Welt heute ganz anders aussehen. Dann wären etwa die Pflegeheime Orte frohen und fröhlichen Lebens, in denen  Lebendiges Urstände feierte und Hunde und Katzen die Bewohner und Besucher freundlich umschmeichelten, und 90 Prozent aller chemisch erzeugten Produkte der Pharma-Industried wären aus den Altenheimen verbannt. So aber sind die Heime das, was sie sind:  Abschiebegefängnisse trostlosen und bewusstlosen Verendens.  

 

Wäre die Generation 50plus wirklich aktiv, dann hätte zum Beispiel das geplante Freihandelsabkommen, genannt „TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership)“, nicht den Hauch einer Chance, denn dann würden die Alten ihre Stimme so laut erheben, dass daraufhin die Gesamtheit  mediokrer Politiker und wahnwitzig gewordener Manager die Flucht ergreifen oder sich wie die Affen fluchtartig auf Bäume verzöge.

 

TTIP ist der Untergang des Sozialen, sie ist das Ende gerechter Verteilung. TTIP wird besonders die Alten noch tiefer ins Verderben stürzen, denn es ist ein utilitaristisches Programm, kein universales. Der Utilitarismus sieht die Menschen allein aus der Perspektive ihrer Nützlichkeit und unter Kostengesichtspunkten, es ist ein anglo-amerikanisches Programm, kein europäisches, denn die Europäer folgen mehrheitlich dem universalen Denken, welches die Welt und den Menschen im großen Zusammenhang und vor allem im Bezug auf das Menschliche im Menschen denkt.

 

Der Sozialexperte Jürgen Borchert schreibt in seinem Buch  „Sozialstaats-Dämmerung“: „Womöglich wird sich der ganze bitter notwendige Streit um die Verteilung hierzulande durch den neofeudalen Putsch erledigen, der soeben durch das TTIP vorbereitet wird. Von allen berichtenswerten Ereignissen, die seit dem Erscheinen der Sozialstaats-Dämmerung passiert sind, ist dies das mit Abstand gefährlichste und weitreichendste.“


Die Europäer tun  gut daran, ein differenziertes und distanziertes Verhältnis zu den USA zu pflegen. Denn seit 1972 und spätestens seit 2001 sind die USA nicht mehr jene USA, die wir aus den fünfziger und sechziger Jahren des vergangen Jahrhunderts in Erinnerung haben.  

 

Europa muss seinen eigenen Weg finden und ihn mit erhobenem und unabhängigem Haupt begehen. Den Weg aber, den die Europäer gehen müssen, werden sie  nicht ohne Russland gehen können. Europa muss sich seiner Werte, ein Ergebnis vieler Jahrhunderte wechselhafter Geschichte, besinnen -  einer Geschichte und eines tiefen Wissens, welches den US-Amerikanern auf ewig unerreichbar bleibt.

 

Wenn die Alten ihr Leben verstünden, dann ließen sie nicht mit sich geschehen, was ihnen durch politische Machenschaften und aufgrund sogenannter wissenschaftlicher „Erkenntnisse“ geschieht. Wenn sie es wirklich verstünden, dann ließen sie sich nicht ausbeuten und ausplündern, sie würden es nicht zulassen, am  Ende ihres Lebens in Einrichtungen zu leben, in denen die Ausbeutung zum Ideal erhoben und der Betrug kultiviert wird.  Dann würden sie sich klar und vernehmbar, kreativ und innovativ in die gesellschaftlichen Belange einmischen.


Es könnte alles ganz anders sein, denn eine andere Welt ist möglich! - Dazu aber müsste die Generation 50plus sich selbst erkennen und zu dem stehen, wer und was sie sind. Dann nämlich würden sie,  um es mit der amerikanischen Altersforscherin Betty Friedan zu sagen, erkennen, „dass die Funktion des Alters jenseits von Reproduktion und ökonomischer Verwertbarkeit auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen muss. Sie muss über die persönliche Zukunft hinausgehen; denn wenn die Alten ihre Energien im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien wie Antifaltencremes verplempern, wenn sie ihre „Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen“, dann verschleudern sie ihre „auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität“. Ihr Vermächtnis könnte mehr sein als nur die bedeutsamen Erinnerungen, die  sie „für ihre Enkel aufschreiben. Sie können die Zukunft nicht vorhersehen“.  Nur wenn sie „an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht“, und dabei ihre im Lauf des Lebens „erworbene Weisheit und Generativität einsetzen“, hinterlassen sie ihren Enkeln „ein Vermächtnis, das darin besteht“, dass sie bei der „Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren“.

 

In Politik, Wirtschaft und Medien fehlen fähige Könner. Und - es fehlen die Anständigen! Es fehlt die Umverteilung von oben nach unten! Wir haben es in unserem Land zunehmend mit korrupten Akteuren zu tun, mit korrupten Teil-Gesellschaften, in denen Bestechung, Vorteilsnahme, Ämterpatronage, Vetternwirtschaft und Lobbykratie längst zum Kult erhoben wird.  

 

Doch  die modernen Alten werden kommen. Sie werden sich immer vernehmbarer, kreativ und innovativ in die gesellschaftlichen Belange einmischen. Die derzeitige Generation der Manager und Politiker wird vor ihnen erzittern. Denn es erwartet sie das, was sie wirklich sind und was sie am meisten fürchten: Nichtigkeit.

 

Es gibt keinerlei Belege dafür, dass mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, sich produktiv an Innovationsprozessen zu beteiligen, nachlässt.

 

Um also die Abenteuer des Alters zu leben, ist nur eines erforderlich: Mut! Es erfordert, Politik, Medien und Wissenschaften zu revolutionieren. Spätestens für das Alter gibt es daher nur eine Überlebensform des Geistes: Unzeitgemäß zu sein!

 

Um es zu wiederholen: Das Umfeld, in dem gelingendesAltern heute stattfinden kann,  liefert Freiräume. Die psychischen, physischen, sozialen, kulturellen, ökologischen undökonomischen Voraussetzungen sind zwar verbesserungsbedürftig, bieten aber noch immer Chancen. Während jedoch nur ein bestimmter Teil der älteren Menschen die Chancen, die ihnen das gesellschaftliche Umfeld bietet, nutzt, sinken rasant die Chancen derer, denen geistige Entwicklung und körperliche Pflege kein besonderes Anliegen war oder ist. Während ein abnehmender Teil der Alten das Leben jenseits ökonomischer Verwertbarkeit als neue Freiheit und nicht selten als Abenteuer empfindet und Generativität lebt, werden für die meisten die Schattenseiten des Alters, geistige und materielle Verarmung und Einsamkeit, immer bedrohlicher.   

 

Teil 2:  Die Generation 50plus als Retter einer menschlichen Gesellschaft 

 

Die wenigen Alten, die guten Willens sind,  verfügen als die modernen Alten  über reiches faktisches und ebenso reiches strategisch-prozedurales Wissen. Sie verfügen über  ein stattliches Wissen in den grundlegenden Fragen des Lebens. Sie wissen um die Lebenskontexte und um die steten gesellschaftlichen Veränderungen. Sie nutzen ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre Erfahrungen. In ihrem Handeln berücksichtigen diese Alten die Relativität von Werten und Lebenszielen – und sie nutzen  ihr Wissen, das die Unsicherheiten des Lebens einbezieht und stellen es in den Dienst der Allgemeinheit. Sie verleugnen ihr Alter nicht und folgen weder dem aus dem Zeitgeist geborenen  Jugendlichkeitswahn noch machen sich lächerlich, weil sie ihr Alter hinter Schminke und gefärbten Haaren verstecken. Sie nutzen ihren eigenen Verstand ohne sich der Leitung durch andere zu bedienen. Sie runden ihr Leben ab und gestalten daraus ein selbstbestimmtes und gelungenes Kunstwerk. Sie wissen was sie tun.  Denn sie wissen die Mittel der  Intelligenz zu nutzen. Sie verstehen sich auf intelligente Selektion und auf kluge Kompensation – und erst recht verstehen sie sich auf eine gelungene Optimierung der Lebensqualität.  

 

„Die Potenziale des Alters“, meint der Gerontologe E. Olbrich, „sind kein Thema, das in beeindruckender Medienberichterstattung, in sozialpolitischen Zielvorgaben oder in wissenschaftlichen Kongressen häufig auftaucht. Potentiale des Alters haben sich – so wird argumentiert – bei Personen entwickelt, Institutionen haben sie kaum einmal aufgegriffen noch haben sie sie nennenswert gefördert. Institutdenken scheint den Blick für die Wahrnehmung von Potentialen des Alters eher zu verstellen und ihre Berücksichtigung zu erschweren“. Dass dem so ist, daran sind die heutige Generation 50plus  selber schuld. Wenn dem so ist, welch eine Verschwendung dann! Keine Gesellschaft, die im globalen Spiel bestehen und überleben will, kann sich diese Verschwendung leisten.  

 

Zweifellos hat die Akzentuierung der Defizite des Alters statt die der Potenziale des Alters eine ihrer Quellen im Institutdenken. Aber auch im Denken der Macher, in den Redaktionen der Medien, in den Köpfen der Manager der privaten und öffentlichen Einrichtungen, in den Köpfen der Intendanten und Intendanzen hat die Akzentuierung der Defizite weiten Raum.  Vorurteile und Stereotype verhindern in Bezug auf das Alter allzu häufig ein von Vernunft geleitetes Denken und Handeln.


Das Bild, das die Medien derzeit vom Altern und von den Alten zeichnen, ist einseitig und unhaltbar negativ. Trotzdem wird es nahezu ohne Kritik von Jung und Alt übernommen. Wen wundert’s, wenn die Alten nicht fröhlich sind. Es ist damit wie mit der „self-fullfilling- prophecy“: die Alten glauben zu verblöden, und weil sie es glauben, verblöden sie wirklich, obwohl sie nicht wirklich verblödet sind. Es fehlt ihnen das gesunde Selbstbewusstsein, es fehlt ihnen das, was sie gegen die von den Medien abgesonderten Zuschreibungen immunisiert. Es fehlt ihnen Zivilcourage. Denn es ist nicht wahr, dass man im Alter als erstes die Haareverliert – im Alter verliert man hierzulande als erstes das gesunde Selbstwertgefühl.

 

Wie einst Odysseus sich an den Mast seines Schiffes fesseln ließ, um dem verführerischen Gesang der Sirenen nicht zu erliegen, so die Alten heute: Sie sollten die Medien als das erkennen, was sie wirklich sind – bloße Oberfläche, die davon lebt, dass sie alles auf ein tiefstes Niveau herunterzieht. Die Medien können die Welt nicht erklären. Was sich zeigt, ist eine arrogante und selbstverliebte Clique, was sich zeigt sind nur Verzierungen, die man niederreißen sollte. Was sich zeigt sind prunkvoll ausgestattete Studios, ist Schminke, sind gefärbte und frisierte Haare, sind gestylte Figuren, die man noch eigens von Mallorca einfliegt, um die geschminkte Welt geschminkt zu erklären.  

 

Sie schminken die Schminke nicht ab. Sie blenden weiter. Sie moderieren  Sendungen länger als dem Zuschauer lieb sein kann. Die Schminke ist ein Symbol dessen, was die Moderatoren und Moderatorinnen, die Nachrichtensprecher und –sprecherinnen wirklich sind: Sie ist ein Symbol für das, was sie  geworden sind: Oberflächlich. Und es ist ein Symbol für die Qualität unserer elektronischen Nachrichtendienste.  

 

Wir besitzen seit einigen Jahrzehnten ein magisches Werkzeug ... ein Werkzeug aus Licht und Ton. Ein Instrument, welches uns helfen könnte die am Besten informierte Gesellschaft zu sein. Freie und aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger. Stattdessen bringen sie Sendungen wie etwa die Nachrichten in Schlagzeilen. Sie bringen nette Moderatoren und Moderatorinnen, flaches Geplauder, alberne Sprüche und hohles Geschwätz. Sie servieren uns Kriege und Katastrophen wie die Zwischengänge einer Mahlzeit. Sie schnüffeln, sie tratschen, sie verführen..Sie lächeln uns zu, aber sie können die eigene Verblödung hinter der Schminke und hinter dem Lächeln nicht verbergen. Ein guter Reporter bringt die Fakten, ein großer Reporter versteht ihre Bedeutung, sie aber sind saturiert, verdienen bestens – und verstehen nichts. Sie besitzen den Tiefgang einer Briefmarke.

 

Die Alten sollten erkennen, dass ihnen von Medienseite keine Hilfe erwächst. Deshalb sollten sie sich um ihres eigenen Selbstwertes willen selbst einmischen ins gesellschaftliche, mediale und politische Geschehen. Die Aufforderung zur Mitgestaltung ist ein dringlicher Appell. Die Gestaltung eines neuen Weltbildes darf nicht jenen überlassen bleiben, die aus kurzfristigen Interessen denken und handeln. Die Kurzdenker unserer Nation, die Manager und die Finanzjongleure, sind für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ein schrecklicher Fluch, sie zerstören die solidarische Gemeinschaft. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Sozialverträglichkeit und der Zukunftsverträglichkeit bleiben auf der Strecke.

 

Es könnte eine wesentliche Aufgabe des Alters darin bestehen, den Sozialstaat gegen seine Feinde zu schützen. Die Alten sind eine Macht. Sie sind eine Macht, die ihresgleichen sucht. Und es gilt, diese Macht nach außen deutlich zu machen. Denn es gibt viel zu tun. Es gilt, die Zweiklassenmedizin und Zweiklassenpflege rigoros zu bekämpfen. Klare Einsicht muss zu der Erkenntnis führen: „Ja, wir haben eine Zweiklassenmedizin – und ja, wir müssen das System verändern. Der Fehler ist der, dass die einflussreichsten Menschen in unserem Land, also beispielsweise die Mehrzahl der Politiker, die Professoren, die die Gutachten schreiben, die Mitglieder des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenhäuser (G-BA),die Richter, die Beamten, die Einkommensstärksten, die Meinungsmacher in unserer Gesellschaft zum größten Teil privat versichert sind. Und selbst wenn sie gesetzlich versichert sind, haben sie noch Privilegien, die die Probleme der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abmildern. Dies zeigt,  dass eine tiefgreifende Reform nur durchgesetzt werden kann gegen den Widerstand der soeben genannten Gruppen, gegen den Widerstand der privaten Krankenversicherung, gegen den Widerstand vieler Ärzte, aber ohne Unterstützung der einflussreichsten Menschen in unseremLand,  weil die in dem solidarischen System nicht mitversichert sind, weil die sich längst aus der solidarischen Gemeinschaft ausgeklinkt haben. Die tiefgreifende Reform wird Kraft erfordern – die Alten sollten wissen, dass sie diese Kraft besitzen!

 

Man muss nicht  nach England reisen oder in dieUSA, um zu wissen, was auch hierzulande angedacht wird. Der Anführer der Jungen Union, Missfelder, hat es vor einiger Zeit verdeutlicht: Englische Verhältnisse.Diskriminierung!

 

Diskriminierung“ rief HeinerGeißler anlässlich einer Rede vor deutschen Anwälten den Teilnehmern zu, „führt zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Wo Diskriminierung verankert ist in derRechtsordnung wird es gefährlich für den Zusammenhalt der Gesellschaft, der allein auf Gerechtigkeit beruht. Wo politische Diskriminierung zu schweren Menschenrechtsverletzungen führt, haben wir es mit politischer Verfolgung zu tun – gleich in welchem Land. Neuerdings gehört ja, was diese Frage anbelangt, was der Mensch sein muss, auch das richtige Alter dazu, denn es ist ja ebenfalls eine neue Kategorie. In England kriegen 65jährige keine Beipass-Operation, keine künstlichen Hüftgelenke, werden vom Dialyseapparat abgeschaltet, es sei denn, sie haben genügend privaten „Bimbels“, wie man inder Pfalz sagt, um also die Therapie aus der eigenen Tasche bezahlen zu können.  Wir sind heute in Deutschland genau so weit. Für bestimmte Leute werden die Lebensrisiken privatisiert und die Konsequenzen haben wir ja. Also mein Parteifreund ... der Philipp Missfelder, Vorsitzender der Jungen Union, hat gemeint, Leute die älter sind als 85 Jahre sollten auch keine künstlichen Hüftgelenke mehr bekommen, sie sollten gefälligst Krücken verwenden. Nun kann man einem 23jährigen jungen Mann manches verzeihen, auch ich habe mit 20 manches gesagt, was Blödsinn war. Aber man darf ihm nicht noch auf die Schulter klopfen, und sagen, du hast ein richtiges Problem aufgeworfen. Du hast den Finger in eine klaffende Wunde gelegt. Man kann höchstens sagen, ja, was soll der denn anderes reden, wenn schon leibhaftige Professoren, drei Stück an der Zahl, vor einem halben Jahr erklärt haben, wer älter ist als 75, der sollte keine lebenserhaltenden Medikamente mehr bekommen. Alles unter Kostengesichtspunkten. Also einer der Professoren war sogar Berater der Deutschen Bischofskonferenz, der wurde am anderen Tag suspendiert, a la bon heur, die Katholische Kirche hat hier rasch reagiert, kein Zweifel, aber wir können sehen, wo wir hinkommen mit der Kategorisierung von Menschen. Wenn die Leute Pech hatten oder das Pech haben, dass sie zurfalschen Klasse, Rasse, Nation, Religion, zum falschen Geschlecht, zum falschen Alter gehören, dann werden oder wurden sie liquidiert, vergast, gesteinigt, zu Tode gefoltert, in die Luft gesprengt oder sonst wie umgebracht.  Die falschen Menschenbilder waren und sind die Ursachen für die schwersten Verbrechen, die die Menschen je begangen haben. Aber auch waren sie Ursache für die schwerwiegendsten politischen Fehlentscheidungen, die die Menschen erleben mussten. Und deswegen ist die Frage nach dem richtigen Menschenbild die entscheidende Frage.“  

 

Das richtige Menschenbild  aber ist der Mensch, so, wie er geht undsteht!!!

 

Wenn die Alten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer und amerikanischer Art die Argumentationskraft nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnen wollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen,. dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen darauf gerichtet sind, die sozialen und Solidaritätstiftenden Errungenschaften des späten 19. Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern. „Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmte amerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein als nur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkel aufschreiben. Die Alten  können die Zukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht,  und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung desSozialstaats, dann  hinterlassen sie ihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darin besteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativitätdes menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“

 

Die Alten müssen ihr eigenes Lebenleben, generativ und als Teil der Gemeinschaft. Es ist ihre Pflicht unzeitgemäß zu sein.

 

Im Talmud heißt es: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich, wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann? Wenn nicht jetzt – wann sonst“.

 

Die Alten sollten wissen. dass sie das können.

 

Bund der Pflegeversicherten e.V.

Gerd Heming (Vors.)

Pfingsten 2015

 

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Die Abenteuer der Alten - oder: Die Rückkehr des Lebensmutes  (G.H. 17.07.14) 

 

Das Alter kann voller großartiger Abenteuer sein – wenn die  Alten nur wüssten, wie sie sie leben sollten.  

 

Denn Altern findet heute in der Regel in einem gesellschaftlichen Umfeld statt, wie es früheren Generationen verschlossen war. Die Menschen um Christi Geburt wurden durchschnittlich 22 Jahre alt und als die Franzosen 1789 gegen den dekadenten Adel und gegen die Korruption der Reichen revoltierten, war ihre Lebenserwartung im Schnitt 36 Jahre. Noch 1957, dem Jahr, in dem die Rentenreform als Umlageverfahren gesetzliche Kraft erhielt, wurden die Menschenin Deutschland im Mittel siebenundfünfzig Jahre alt. Heute ist die menschliche Langlebigkeit in den entwickelten Ländern der Welt auf runde achtzig Jahre gestiegen. Summa summarum: In den vergangenen einhundertfünfzig Jahren fügten hygienische Umsicht, ein hohes  Maß an körperlicher und geistiger Pflege und die fortschrittliche Rechtsstaatlichkeit  dem menschlichen Leben  vierundvierzig Jahre hinzu. Vierundvierzig zusätzliche Jahre!  

 

Ob es jedoch gelingt, diese Jahre zu leben, statt gedankenlos dahin zu vegetieren, liegt bei jedem Alten selbst. Dazu ist „Wissen“ als bloßes Wissen belanglos und akademische Grade machen eher blind für die Abenteuer des Alters. Worauf es ankommt, ist Einsichtigkeit, d.h. Einsicht in die Dinge des wahrhaftigen Lebens. Erst wenn das „Wissen“ zum individuellen Denkeigentum geworden ist, wenn das „Wort Fleisch geworden“ ist, ist die Hochzeit erreicht. Wovon hier die Rede ist, ist nicht gelerntes und gelehrtes Wissen, sondern ein Wissen, das jeder sich selbsttätig aneignet. Selbsttätig! Doch – wie sagte der Philosoph Hans Ebeling: „Uneinsichtig, erinnerungslos und ohne Einkehr verläuft und endet das Leben der meisten. Sie lassen das Alter verstreichen wie das ganze bisherige Leben selbst. Ein Leben ohne Einsicht und Einkehr ist zwar nicht „lebensunwert“, aber es ist belanglos. Die Humanität gebietet, noch das Belanglose zu schützen. Aber besondere Achtung darüber hinaus kann solchem weithin „bewusstlosen“ Lebensvollzug nicht zu gebilligt werden.“

 

Vor belanglosem und weithin bewusstlosem Lebensvollzug schützt allein der Bund der Pflegeversicherten. Denn das Umfeld, in dem gelingendes Altern heute stattfinden kann,  liefert Freiräume. Die psychischen, physischen, sozialen, kulturellen, ökologischen und ökonomischen Voraussetzungen sind zwar verbesserungsbedürftig, bieten aber noch immer Chancen. Während jedoch nur ein bestimmter Teil der älteren Menschen die Chancen, die ihnen das gesellschaftliche Umfeld bietet, nutzt, sinken rasant die Chancen derer, denen geistige Entwicklung und körperliche Pflege kein besonderes Anliegen war oder ist. Während ein abnehmender Teil der Alten das Leben jenseits ökonomischer Verwertbarkeit als neue Freiheit und nicht selten als Abenteuer empfindet und Generativität lebt, werden für die meisten die Schattenseiten des Alters, geistige und materielle Verarmung und Einsamkeit,immer bedrohlicher.  

 

Während sich die einen ihrer sozialen Kompetenz, ihrer Lebenserfahrung und ihrer Weisheit erinnern und fortschrittlich in die Zukunft gehen und selbst am Tage ihres Todes noch ein Apfelbäumchen pflanzen, leben viele ältere Menschen ihre Kompetenzen nie aus, sie sind - selbst in den Wissenschaften – inaktiv und scheren sich einen Teufel um echtengesellschaftlichen Fortschritt.

 

Dabei verfügen die modernen Alten  über reiches faktisches und ebenso reiches strategisch- prozedurales Wissen. Sie verfügen über  ein stattliches Wissen in den grundlegenden Fragen des Lebens. Sie wissen um die Lebenskontexte und um die stetigen gesellschaftlichen Veränderungen. Aber sie nutzen ihr Wissen, ihre Kompetenzen und ihre Erfahrungen nicht. In ihrem Handeln berücksichtigen die Alten nicht die Relativität von Werten und Lebenszielen – und sie nutzen nicht ihr Wissen, das die Unsicherheiten des Lebens einbezieht. Eher folgen sie dem aus dem Zeitgeist geborenen  Jugendlichkeitswahn und machen sich lächerlich, weil sie ihr Alter leugnen. Sie verleugnen ihr Alter obgleich die Tiefenstruktur ihres Wissens weiß, dass  die Verleugnung des Alters gleichbedeutendi st mit Unreife, Rückschritt und Verblendung. Sie sind nicht selbständig, nicht selbstbestimmt und nur selten selbstbewusst. Und dort, wo sie selbstbewusster scheinen, ist es ein „Selbstbewusstsein“ geboren aus Arroganz. Sie besitzen Kompetenzen, Verstand und Vernunft. Aber sie bedienen sich dieser Potenziale nicht. Anstatt sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung durch andere zu bedienen, suchen sie süchtig gerade die Leitung und Führung durch Andere und unterwerfen sich ihnen. Statt ihr Leben abzurunden und daraus selbstbestimmt ein gelungenes Gesamtwerk zu machen, überlassen sie sich willig modischen Novitäten wie Wellness- oder Anti-aging-Programmen. Sie wissen nicht was sie tun.  Denn sie wissen die Mittel der  Intelligenz nicht zu nutzen. Sie verstehen sich weder auf intelligente  Selektion noch auf kluge Kompensation – und erst recht verstehen sie sich nicht auf eine gelungene Optimierung der Lebensqualität.

 

Denn wenn sie ihr Leben verstünden, dann ließen sie nicht mit sich geschehen, was ihnen durch politische Reformen und sogenannte wissenschaftliche „Erkenntnisse“ geschieht. Wenn sie verstünden, ließen sie sich nicht ausbeuten und ausplündern, sie würden es nicht zulassen am Ende ihres Lebens in Einrichtungen zu leben, in denen die Ausbeutung zum Ideal erhoben und der Betrug kultiviert wird.

 

Es könnte ganz anders sein! - Dazu aber müssten die Alten sich selbst erkennen und zu dem stehen, wer und was sie sind. Dann nämlich würden sie,  um es mit der amerikanischen Altersforscherin Betty Friedan zu sagen, erkennen „dass die Funktion des Alters jenseits von Reproduktion und ökonomischer Verwertbarkeit auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen muss. Sie muss über die persönliche Zukunft hinausgehen; denn wenn die Alten ihre Energien im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielerein verplempern, wenn sie ihre „Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen“, dann verschleudern sie ihre „auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität“. Ihr Vermächtnis könnte mehr sein als nur die bedeutsamen Erinnerungen, die   sie „für ihre Enkel aufschreiben. Sie können die Zukunft nicht vorhersehen“. Nur wenn sie „an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht“, und dabei ihre im Lauf des Lebens „erworbene Weisheit und Generativität einsetzen“, hinterlassen sie ihren Enkeln „ein Vermächtnis, das darin besteht“, dass sie bei der „Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren“.

 

„Die Potenziale des Alters“, meint der Gerontologe E.Olbrich, „sind kein Thema, das in beeindruckender Medienberichterstattung, in sozialpolitischen Zielvorgaben oder in wissenschaftlichen Kongressen häufig auftaucht. Potentiale des Alters haben sich – so wird argumentiert – bei Personen entwickelt, Institutionen haben sie kaum einmal aufgegriffen noch haben sie sie nennenswert gefördert. Institutdenken scheint den Blick für die Wahrnehmung von Potentialen des Alters eher zu verstellen  und ihre Berücksichtigung zu erschweren“. Dass dem so ist, daran sind die heutigen Alten selber schuld. Wenn dem so ist, welch eine Verschwendung dann! Keine Gesellschaft, die im globalen Spiel bestehen und überleben will, kann sich diese Verschwendung leisten.  

 

Zweifellos hat die Akzentuierung der Defizite des Alters statt der Potenziale des Alters eine ihrer Quellen im Institutdenken. Aber auch im Denken der Macher, in den Redaktionen der Medien, in den Köpfen der Manager der privaten und öffentlichen Einrichtungen, in den Köpfen der Intendanten und Intendanzen hat die Akzentuierung der Defizite weiten Raum.  Vorurteile und Stereotype verhindern in Bezug auf das Alter allzu häufig ein von Vernunft geleitetes Denken und Handeln.  

 

Aber die modernen Alten kommen. Wir, vom Bund derPflegeversicherten, kennen sie. Es sind jene, die sich immer  vernehmbarer, kreativ und innovativ in die gesellschaftlichen Belange einmischen. Die derzeitige Generation der Manager und Politiker wird vor ihnen erzittern. Denn es erwartet sie das, was sie am meisten fürchten: Nichtigkeit.

 

Es gibt keinerlei Belege dafür, dass mit zunehmenden Alter die Fähigkeit, sich produktiv an Innovationsprozessen zu beteiligen, nachlässt.

 

Um also die Abenteuer des Alters zu leben, ist nur eines erforderlich: Mut! Es erfordert, Politik, Medien und Wissenschaften zurevolutionieren.  

 

Spätestens für das Alter gibt es nur eine Überlebensform des Geistes: Unzeitgemäß zu sein.

 

Bund derPflegeversicherten e.V.

 

Gerd Heming (Vors.), Münster/Westfalen, Juli 2014

 

 

 

 

 

Der Wert des Alters (G.H., Jan. 2014) 

Wenn das „Streben nach Glück“ in jungen Jahren auf das nahezu uneingeschränkte Streben nach materiellem Wohlstand und Macht reduziert ist, muss das Alter die Zeit sein,  höhere Werte zu verfolgen.

 

Daher ist es, gelinde gesagt, eine eigenartige Denkweise, wenn gerade die Alten meinen, Altern sei eine Krankheit, die zu behandeln möglich sei. Altern ist keine Krankheit. Altern ist nicht behandelbar. Alter ist ein hoher Wert. Vom Tage unserer Geburt an altern wir, vom Tage unserer Geburt an sterben wir.

 

Da helfen auch nicht der so oft beschworene Jugendlichkeitswahn oder Anti-aging-Programme. Sie sind Irrwege, geistige Verirrungen - eben wahnhaft. Wer sich ihnen verschreibt, wer sich ihnen ausliefert, wer ihnen wie in  einem religiösen Fieber verfällt, gibt seiner Vernunft den finalen Schuss. Er tötet das, was den Menschen zum Menschen macht.

 

Der größte Druck lastet zweifellos auf Frauen. Besonders, wenn sie in der Jugend schön und mit attraktiver äußerer Erscheinung beschenkt waren. Jetzt wird ihnen die vergangene Schönheit zum Verhängnis, denn sie haben nicht erkannt, dass Schönheit ein äußerst vergänglicher und hinterhältig täuschender „Wert“ gewesen ist. Der Druck erwächst aus der verbreiteten Auffassung, dass Schönheit gleich Jugendlichkeitswahn ist. Viele ältere Frauen, vor allem jene, die die Luxus-Wellness-Anlagen der Welt bevölkern, glauben das. Wenn ihr Haar grau und ihre Haut faltig wird und ihr Körper seine frühere Straffheit und Elastizität verliert, halten sie sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für unattraktiv. Da helfen ihnen die goldenen Wasserhähne in ihren luxuriösen Bädernnichts.

 

Warum nur sind ausgerechnet Geist und Macht ein deutsches Problem? Woher kommt diese untertänige Begeisterung vor der angeblichen Macht? Warum kämpfen Menschen schier bis zum letzten Atemzug für ihre Verknechtung, als ginge es um ihrSeelenheil?  

 

Ist es  die Macht des Wortes, die Menschen tötet? Ist es die Dumpfheit des herrschenden Systems? Ist es die hinterlistige Raffinesse dieses Systems?   Es ist nicht leicht, Menschen zu ihrem Glück zu überreden, aber es ist relativ leicht, sie zu ihrem Unglück zu überreden. Die eigene Dämlichkeit wird zum Kult erhoben.

 

Die Alten bleiben stumm. „Uneinsichtig, erinnerungslos und ohne Einkehr verläuft und endet das Leben der Meisten“, sagt der Paderborner Philosoph Hans Ebeling,„sie lassen das Alter verstreichen wie das ganze bisherige Leben selbst. Ein Leben ohne Einsicht, Erinnerung und Einkehr ist nicht ‚lebensunwert’, aber belanglos. Die Humanität gebietet, noch das Belanglose zu schützen. Aber besondere Achtung darüber hinaus kann solchem weithin ‚bewusstlosen“ Lebensvollzug nicht zugebilligt werden“. Die aber, so der Philosoph, also jene,die ohne Einsicht, ohne Erinnerung, ohne Einkehr seien, würden den Weltenlauf bestimmen. „Sie missbrauchen noch das *Weltgericht’. Sie ergeben sich dem Trost oder der Trostlosigkeit des Alters. Das Ende der Torheit setzt dagegen voraus, von sich aus aus der Zeitgenossenschaft heraus zu fallen. Spätestens für das Alter gibt es nur eine ‚Überlebensform’ des Geistes: Unzeitgemäß zu sein“.

 

Die Alten bleiben immer noch stumm. Wie aber soll ein stummes Alter Achtung gebieten? Das ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass die Deutschen ein Volk des Alters sind.

 

Warum lassen dann aber die Deutschen es zu, dass das der Umgang mit dem Älterwerden und die Werte des demografischen Wandels kein wesentliches Thema sind?  Wo bleiben jene Fragen, die das Alter um seiner selbst und um seiner Achtung willen stellen sollte?“ Ist den Alten nicht klar, dass Fragen, die nicht gestellt werden, logischerweise ohne Antwort bleiben?  

 

Ist es denn wirklich der Jugendlichkeitswahn und die wahnhafte Hoffnung auf Anti-aging-Programme, die den Alten die Lippen verschließen?


Solange die Alten an den Illusionen und Erwartungen der Jugend festhalten und das, was sie wollen nur in diesem Kontext sehen, verstricken sie sich in ein immer verzweifelteres Spiel, das sie nur verlieren können. Das Streben nach Jugendlichkeit macht blind für die Möglichkeiten des Alters. Die Verdrängung des Alters blockiert jede Weiterentwicklung und verhindert, dass sich Lebensmöglichkeiten eröffnen, die den Alten, wenn sie realistisch Stellung bezögen, zur Verfügung stünden. Solange sie in der Jugendfalle stecken, können sie die Potenziale des Alters gar nicht wahrnehmen. Die eigene Haltung verhindert die Entwicklung von fruchtbaren Lösungen.


Es ist längst wissenschaftlich belegt,  dass die Entwicklung der Intelligenz, die Fortbildung des individuellen Selbst, die Entfaltung von Kompetenzen und Generativität bis ins hohe Alter, bis ins hundertste Lebensjahr und darüber hinaus möglich ist. Sicher ist aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit, die letzten Lebensjahre in einer Alten- oder Pflegeeinrichtung zu verbringen, mit zunehmendem Alter bis auf nahezu hundert Prozent in die Höhe schnellt.  

 

Aber das ist in Deutschland kein Thema – und die Alten schweigen. Sie lassen es zu, dass ihre Kompetenzen und Potentiale ungenutzt bleiben. Sie lassen es zu, dass so ein gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, der unermesslich und unersetzlich ist.

 

So bleibt die Macht in den Händen der Uneinsichtigen und Unbelehrbaren. Zu erinnern bleibt der über Jahrtausende anhaltenden Stillstand der Geschichte aus dem anhaltenden Willen zur Macht. „Der tragische Stil der Geschichte“, so Hans Ebeling, „ist nicht allein dadurch bestimmt, dass Verwirrungen selbstinszeniert werden. Tragisch ist, dass eigentlich nichts geschieht als die Aufsteigerung und Abgleichung blanker Selbsterhaltungsquanten. Handelte es sich nicht um die Geschichte von Menschen, wäre es möglich , das Komödiantentum in der Tragödie mehr zu schätzen“.

 

Unverzeihlich ist das Schweigen der Alten besonders dort, wo es um die Lebensqualität ihrer Alten, der über 80jährigen, geht. Unverzeihlich ist es und verachtungswürdig, dass die Alten nicht geschlossen gegen das heutige Anstalts- und  Heimsystem aufstehen und kämpfen.

 

Die Alten sollten erkennen, dass ihnen von Medienseite keine Hilfe erwächst. Deshalb sollten sie sich um ihres eigenen Selbstwerteswillen einmischen ins gesellschaftliche, mediale und politische Geschehen. Die Aufforderung zur Mitgestaltung ist ein dringlicher Appell. Die Gestaltung eines neuen Weltbildes darf nicht allein jenen überlassen bleiben, die aus kurzfristigen Interessen denken und handeln. Die Kurzdenker unserer Nation sind für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ein Fluch, sie zerstören die solidarische Gemeinschaft. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit, der Sozialverträglichkeit und der Zukunftsverträglichkeit bleiben auf der Strecke. Es könnte eine wesentliche Aufgabe des Alters darin liegen, den Sozialstaat gegen seine Feinde zu schützen. Die Alten sind eine Macht. Sie sind eine Macht, die ihresgleichen sucht. Und es gilt, diese Macht nach außen deutlich zumachen. Denn es gibt viel zu tun. Es gilt, die Zweiklassenmedizin und Zweiklassenpflege rigoros zu bekämpfen. Die klare Einsicht muss zu der Erkenntnis führen: „Ja, wir haben eine Zweiklassenmedizin – und ja, wir müssen das System verändern. Der Fehler ist der, dass die einflussreichsten Menschen in unserem Land, also beispielsweise die Mehrzahl der Politiker, die Professoren, die die Gutachten schreiben, die Mitglieder des gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenhäuser (G-BA), die Richter, die Beamten, die Einkommensstärksten, die Meinungsmacher in unserer Gesellschaft zum größten Teil privat versichert sind. Und selbst wenn sie gesetzlich versichert sind, haben sie noch Privilegien, die die Probleme der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für sie deutlich  abmildern. Weil dem so ist, muss eine Reform durchgesetzt werden gegen den Widerstand der privaten Krankenversicherung, gegen den Widerstand vieler Ärzte, aber ohne Unterstützung der einflussreichsten Menschen in unserem Land, weil die in dem solidarischen System nicht mitversichert sind, weil die sich längst aus der solidarischen Gemeinschaft ausgeklinkt haben.  

 

Die Grundsatzfrage an Politiker und Meinungsmacher muss in diesen Tagen daher lauten: „Sind Sie solidarisch in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungversichert?“ Die Frage muss jetzt gestellt werden. Kein Politiker, der nicht solidarisch gesetzlich - und zwar ohne Beitragsbemessungs- und Pflichtversicherungsgrenze -  in der GRV, GKV oder GPV vollversichert ist, darf auf der öffentliche Bühne als Vertreter des Volkes anerkannt werden.  

 

Sie verdienen nicht uns– wir verdienen etwas Besseres.

 

Wenn die Alten hierzulande utilitaristischen Überlegungen angelsächsischer Art die Argumentation nehmen und gesellschaftliche Bedeutung in dem Sinne gewinnen wollen, dass sie  jenseits der Reproduktion auf andere Art etwas zur Erhaltung der Spezies beitragen,. dann muss diese Bedeutung über ihre persönliche Zukunft hinausgehen. Sie müssen erkennen, dass der Zeitgeist und die Ziele der privaten Wirtschaft und der privaten Versicherungen darauf gerichtet sind, die sozialen und Solidarität stiftenden Errungenschaften des späten 19.Jahrhunderts und insbesondere der 50er, 60er und 70er Jahre des 20.Jahrhunderts zu zerstören. Die Alten dürfen ihre Energien nicht für Trivialitäten verplempern. „Wenn die Alten ihre Energie im Alter verbrauchen oder mit Trivialitäten und Spielereien verplempern“, sagt die berühmte amerikanische Altersforscherin Betty Friedan, „wenn sie nur die Zeit totschlagen und das Alter und den Tod verleugnen, verschleudern sie ihre auf die Zukunft gerichtete Weisheit und Generativität. Ihr Leben muss mehr sein als nur jene bedeutsamen Erinnerungen, die sie vielleicht für ihre Enkel aufschreiben. Die Alten  können dieZukunft nicht voraussehen. Doch wenn sie an den Problemen arbeiten, vor denen unsere Gesellschaft steht, und dabei ihre im Lauf des Lebens erworbene Weisheit und Generativität einsetzen, einschließlich des Wissens um die Entstehung des Sozialstaats, dann  hinterlassen sie ihren  Enkeln ein Vermächtnis, das darin besteht, dass sie bei der Gestaltung der Zukunft helfen und die Generativität des menschlichen Gemeinwesens entfalten und bewahren.“

 

DieAlten müssen ihr eigenes Leben leben, generativ und als Teil der Gemeinschaft.  

 

Haben wir also aus all diesen Gründen das Hilfesystem für den Ausgleich zwischen Schwächeren und Stärkeren im Sinne der "community care" dahin zu entwickeln, dass Heime so weit wie möglich reduziert und dafür besser ausgestattet werden und an deren Stelle zunehmend ein ambulantes kommunales Hilfesystem tritt? Oder gibt es bessere Wege? Und haben wir die eher zunehmende Bereitschaft der Bürger zu (selbstbestimmtem) freiwilligem sozialen Engagement als Signal zu verstehen, nicht mit noch mehr Geldmitteln, wohl aber - wie vor dem 19. Jahrhundert - mit mehr Sachmitteln solidarisch für Andere einzustehen, um ihren Anspruch auf soziale Teilhabe zuerfüllen und dies für den richtigen Weg zur Weiterentwicklung einer Bürger- oder Zivilgesellschaft zu halten?

 

GerdHeming (Vors.) Münster,Januar 2014  

 

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Der Bund derPflegeversicherten e.V. (BdPV e.V.) finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. Die Beiträge werden jährlich per Lastschrift abgebucht.

 

1. Der BdPV e.V. ist ein Schutzverein für Pflegeversicherte. Insbesondere ist er ein Schutzverein für Bürgerinnen und Bürger, die die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen sowie für deren Angehörige und für Pflegekräfte

 

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7. Vom Gesetzgeber fordert der BdPV e.V.  deshalb Transparenz. Heimliche Vereinbarungen in den Manageretagen der Pflegeheimbetreiber und der Krankenkassen sind zu beenden.

 

8. Vom Gesetzgeber fordert der BdPV e.V. deshalb die ethische Unterstützung für alle, die mit gutem Willen in der Pflege tätig sind.

 

Gezeichnet:

Bund der Pflegeversicherten e.V.

Gerd Heming (Vors.) im Juli 2011